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Die Nacht der lebenden Toten

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Die Nacht der lebenden Toten (2-Disc Special Edition)

Night of the Living Dead

USA 1968

FSK: ab 16 Jahren

Länge: ca. 96  Min.

Vertrieb: Studiocanal

Filmzine-Review vom 02.12.2022

Der junge Johnny (Russell Streiner), der zusammen mit seiner Schwester Barbara (Judith O’Dea) auf einem abgelegenen Friedhof das Grab ihres Vaters besuchen will, wird von einem seltsam herumtorkelnden Mann umgebracht. Barbara kann in ein einsames Landhaus entkommen, wo sich schon andere flüchtende Menschen verschanzt haben. Aus den TV-Nachrichten erfährt man, dass landesweit die Toten aus ihren Gräbern steigen und die Lebenden anfallen. In der kleinen Gruppe steigt die Panik, denn immer mehr Untote belagern das Haus. Nur Anführer Ben (Duane Jones) bewahrt einen kühlen Kopf…

Für ’n Appel und ’n Ei drehte George A. Romero in den politisch aufgeladenen Endsechzigern mit Die Nacht der lebenden Toten einen Horrorfilm, der das Genre nachhaltig veränderte und prägte. Der Klassiker entstand unter schwierigen Bedingungen und nur mit Mühe und Not gelang es dem damaligen Werbefilmer Romero, der auch noch als Kameramann und Cutter fungierte, ein Budget auf die Beine zu stellen. Nach Abschluss der siebenmonatigen Dreharbeiten fand der Streifen dann zunächst keinen Verleih, erstens weil das expressionistische Schwarz-Weiß-Format auf Ablehnung traf und zweitens weil es kein Happy End gab. In den Autokinos setzte dann nach und nach positive Mundpropaganda ein und machte Die Nacht der lebenden Toten zu einem unverzichtbaren Kultklassiker, der Jahre später sogar einen Platz in der Filmsammlung des Museum of Modern Art erhielt. Das Wort „Zombie“ fällt in dem Film übrigens nie, stattdessen ist von „Ghouls“ die Rede. Auch interessiert sich Romero nur bedingt für einen triftigen Grund der Untoten-Invasion und liefert mit der Strahlung einer zurückgekehrten Venus-Sonde eine bewusst reichlich abstruse Erklärung, die auch aus einem schlechten Sci-Fi-Streifen kommen könnte. Ihm geht es um die verschiedenen Reaktionen auf den Angriff und den Zusammenbruch der Familie, etwa wenn das kleine Mädchen eines zerstrittenen Mittelklasse-Pärchens während der Belagerung stirbt und dann als Zombie die eigene Mutter auffrisst. Mit dem von Duane Jones verkörperten Ben trat auch einer der ersten afroamerikanischen Helden des neuen amerikanischen Kinos in Erscheinung, der aber am Ende im Morgengrauen von der Bürgerwehr kurzerhand erschossen wird, weil er für einen Zombie gehalten wird.

Nach diversen hanebüchenen Releases mit falschen Bildformaten und unterirdischer Qualität erscheint bei Studiocanal nun die ultimative Veröffentlichung als Limited Collector’s Edition, Limited 4K UHD Steelbook, Blu-ray und DVD. Die digitale 4K-Restaurierung wurde von Regisseur George A. Romero, Co-Drehbuchautor John A. Russo, Toningenieur Gary R. Streiner und Produzent Russel W. Streiner beaufsichtigt und enthält den gleichen Transfer wie die amerikanische Criterion Collection. Angesichts des hohen Alters und der oft lausigen Qualität der alten Releases kommt man nun aus dem Staunen nicht mehr heraus, denn das Schwarz-Weiß-Bild liefert insgesamt eine tolle Schärfe ohne sichtbare Mängel. Auch die Extras sind hochwertig, allen voran die neue Dokumentation „Raising the Dead“ und das Video-Essay „Limitations Into Virtues“. Nur den einen oder anderen Audiokommentar der US-Version hätte man sich noch dazugewünscht.

 

Blu-ray Extras:

    • Alternative Schnittfassung „Night of Anubis“ mit Einführung von Produzent Russell Streiner (86 min)
    • Dokumentation „Raising the Dead: Re-Examining Night of the Living Dead“ (37 min)
    • Newsreels von 1967 (3 min)
    • Dead Relics: Dailies Reel mit Einführung von Sound Designer Gary Streiner (22 min)
    • Featurette: „Light in the Darkness: The Impact of Night of the Living Dead“ (24 min)
    • Featurette: „Walking Like The Dead“ (13 min)
    • Featurette: „Tones of Terror“ (11 min)
    • Featurette: „Venus Probe“ (1 min)
    • Video-Essay „Limitations Into Virtues“ von Tony Zhou und Taylor Ramos (12 min)
    • Interview „Learning from Scratch“ mit Co-Autor John A. Russo (12 min)
    • Neuer deutscher Trailer
    • Poster des Artworks von Francesco Francavilla

 

Marcs Filmwertung

Kultfilm, Midnight Movie und Horror-Klassiker, der das Genre wie fast kein anderer Titel mitgeprägt hat. Dank neuer 4K-Abtastung und toller Extras ein Muss für alle Sammler.

Marc

Marc

Cineast bis in die Haarspitzen. Anything goes außer Schweiger & Schweighöfer und Bollywood. Regie-Lieblinge: Fincher, Mann, Scorsese, Coppola, Lynch, die Coens, Tarantino, Cameron, De Palma, P.T. & Wes Anderson, Spielberg.
Beste Serie aller Zeiten: The Wire

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