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Komm und Sieh

© Bildstörung

Komm und Sieh

Idi i smotri

Russland 1985

FSK: ab 16 Jahren

Länge: ca. 143 Min.

Vertrieb: Bildstörung

Filmzine-Review vom 22.12.2020

Weißrussland 1943: Während deutsche Truppen auf ihrem Rückzug ein Dorf nach dem anderen niederbrennen, schließt sich Bauernjunge Fljora den Partisanen an. Doch schnell macht sich Ernüchterung bei Fljora breit, denn der Kommandant lässt ihn bei einem Einsatz als einzigen Wachposten zurück. Als das Partisanenlager von den deutschen Truppen zerbombt wird, flieht Fljora in Begleitung der jungen Glasha, der Geliebten des Kommandanten, und versucht sich zum Dorf seiner Mutter und Schwestern durchzuschlagen. Doch auch hier haben Wehrmacht und SS schon gewütet…

Mit Komm und Sieh schuf der russische Regisseur Elem Klimow Mitte der 1980er Jahre einen der eindringlichsten, radikalsten und schmerzhaftesten Kriegsfilme aller Zeiten. Klimow, der in seiner Heimat als Systemkritiker galt und unter strenger Beobachtung der Zensurbehörden stand, entkam als kleiner Junge mit seiner Mutter der Schlacht um Stalingrad. Diese persönlichen Weltkriegs-Erfahrungen verarbeitet er in Komm und Sieh aus der Perspektive eines Jungen, der sich zu Beginn noch voller Euphorie den Partisanen anschließt und dann aber mit voller Wucht die sadistischen Grausamkeiten der deutschen Truppen miterlebt und durch die Ereignisse traumatisiert wird. Für das Kriegs-Inferno findet Klimow verstörende Bilder, die sich in das Gedächtnis einbrennen: Ein kurzer, fast beiläufiger Kameraschwenk auf eine Gruppe erschossener Dorfbewohner, die Sequenz mit der von Fljora geklauten Kuh, die auf dem kargen Feld vom nächtlichen Hagel der Leuchtspurmunition durchlöchert wird oder im letzten Akt die Aufnahmen des Feuer-Massakers, bei dem Fljora an der ständigen Schwelle zum Tod zum Spielball der deutschen Soldaten wird. Details über Orte, Personen oder andere historische Informationen werden bewusst vermieden, denn Klimow wollte nicht zwingend einen Film über den Zweiten Weltkrieg machen, sondern einen allgemeinen Film über das Grauen des Krieges.  Einen Hauch von Menschlichkeit abseits der Verrohung gibt es am Ende: Hier schießt Fljora mit seinem Gewehr auf ein Hitler-Portrait in einer Pfütze, doch als sich das Bild in einer Montage bis zum ersten Baby-Foto Hitlers zurückverwandelt, schießt der mittlerweile ergraute Junge nicht mehr.

Bildstörung zeigt das Meisterwerk (im Originalformat 1,37:1) dank neuer Restauration in stark verbesserter Bildqualität mit hoher Detaildichte und ohne Spuren von altersbedingten Mängeln. Der Release kann es sogar mit der US-Edelschmiede Criterion aufnehmen, die Komm und Sieh 2020 ebenfalls veröffentlichte. Neben dem ansprechenden Coverdesign (mit Booklet) überzeugt besonders das Bonusmaterial auf der DVD mit einer hochwertigen Mischung aus Original-Beiträgen aus den 80er Jahren und neuen, eigens für den Release produzierten Featurettes. Für den Einstieg lohnt sich das Video-Essay „Wer keine Erinnerung hat, hat auch kein Leben“, in der Filmwissenschaftler Dr. Marcus Stiglegger und der polnische Regisseur Michael Kosakowski ihre Eindrücke teilen.

 

Blu-ray & DVD Extras:

    • Audiokommentar mit Olaf Möller und Barbara Wurm
    • 5 Trailer zu weiteren Filmen
    • Dokumentation „Klimow“ (50 min)
    • Aus dem Feuerdorf – Drei Kurzdokus (48 min)
    • Video-Essay „Wer keine Erinnerung hat, hat auch kein Leben“ von Marcus Stiglegger & Michael Kosakowski (35 min)
    • Interviews mit Regisseur Elem Klimow, Hauptdarsteller Aleksei Krawtschenko, Set Designer Viktor Petrow und Regieassistent Wladimir Kozlov (63 min)
    • Making of (10 min)
    • Kinotrailer
    • Bildergalerie (2 min)
    • 20-seitiges Booklet

 

Marcs Filmwertung

Einer der eindringlichsten, radikalsten und schmerzhaftesten Kriegsfilme aller Zeiten in hervorragender Special Edition neu aufgelegt.

Marc

Marc

Cineast bis in die Haarspitzen. Anything goes außer Schweiger & Schweighöfer und Bollywood. Regie-Lieblinge: Fincher, Mann, Scorsese, Coppola, Lynch, die Coens, Tarantino, Cameron, De Palma, P.T. & Wes Anderson, Spielberg.
Beste Serie aller Zeiten: The Wire

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