Niels Ruf – Pest of Kamikaze (1998-2001)
D 2001
FSK: ab 16 Jahren
Länge: ca. 110 Min.
Studio: Weltruf GmbH
Vertrieb: Mercury Records
Filmzine-Review vom 14.12.2001
Wer Harald Schmidt oder Stefan Raab noch als zu harmlos empfindet, dürfte bei Niels Ruf bestens aufgehoben sein. Ruf moderierte von 1998 bis Mitte 2001 die Show Kamikaze auf VIVA 2 und hat während seiner „Amtszeit“ für diverse handfeste Skandale gesorgt. Die Highlights kann man sich jetzt auf einer passend titulierten Pest Of-Compilation zu Gemüte führen. Wer den Rufschen Humor nicht kennen sollte, sei an dieser Stelle gewarnt: es geht derbe zur Sache, Respektlosigkeit, Fäkalsprache bis zum Abwinken, Minderheitenwitze und eine offensichtliche anti-feministische Grundhaltung stehen an der Tagesordnung. Ähnlich wie Kollege Raab treibt Ruf sein Unwesen vorzugsweise auf Messen, auf Festivals oder aber in bekannten Geschäften und quält seine bedauernswerten, oft semi-prominenten Interviewpartner bis zur Schamgrenze. Da gibt es dann herrliche peinlich-lustige Momente, z.B. wenn der pöbelnde Moderator auf einer Katzenshow gestandene Züchter ernsthaft nach glattrasierten und engen Muschis fragt oder während eines Raves grenzdebile Jugendliche der Lächerlichkeit preisgibt. Ein wahrhafter Klassiker ist der Auftritt bei einer Miss Germany-Wahl: Nachdem Ruf eine Dame spontan zur Miss Lifting gekürt hat, revanchiert sich der Begleiter kurzerhand mit einer Bierdusche. Weitere Höhepunkte sind die Auftritte mit den Fanta 4 (Hotelzimmerverwüstung), der Metal Band Slipknot (Kaffeekränzchen) und natürlich Busta Rhymes (Puffbesuch). Selbst Ex-Freundin Anke Engelke (souverän witzig) wird in gleich zwei Beiträgen verdientermaßen gewürdigt.
Und wenn Chaot Ruf bei einer Castor-Demo drei Polizisten fragt, wo denn ein Polizeihund sein Arschloch hat (Antwort: An der Leine), dann können sich selbst die wackeren Gesetzeshüter ein leichtes Grinsen nicht verkneifen. Schade, dass Kamikaze diesen Sommer abgesetzt wurde, aber Ruf hat den Bogen wohl etwas überspannt – nachdem er sich über eine schwerkranke Kollegin lustig gemacht hat, wurde die Zusammenarbeit von VIVA gekündigt. Ein Comeback dürfte aber nur eine Frage der Zeit sein.
Die technischen Komponenten standen bei der Produktion der Scheibe eindeutig im Hintergrund. Die allenfalls durchschnittliche Bild – und Tonqualität kann man aber locker verschmerzen. Einen bitteren Beigeschmack hinterlassen hingegen die unnötigen kurzen Unterbrechungen zwischen den einzelnen Kapiteln. Als Minizugabe gibt es eine Fotogalerie mit sämtlichen Kamikätzchen aus der Sendung.
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