© Bildmaterial Paramount Home Entertainment

Spiel mir das Lied vom Tod

© Paramount Home Entertainment

Spiel mir das Lied vom Tod (Limited Collector’s Edition – 4K UHD)

Once Upon A Time In The West/C’era Una Volta Il West

USA | Italien 1968

FSK: ab 16 Jahren

Länge: ca. 165 Min.

Studio: Paramount Pictures

Vertrieb: Paramount Home Entertainment

VÖ: Bereits erhältlich

Filmzine-Review vom 03.07.2024

Für gewöhnlich sollte man beim Gebrauch von Superlativen vorsichtig sein, im Fall von Sergio Leones Spiel mir das Lied vom Tod kann man getrost eine Ausnahme machen: Der Film ist einer der besten, wenn nicht sogar der beste Western der Filmgeschichte. Und das, obwohl das Meisterwerk zu einer Zeit entstand, in der der klassische Western eigentlich schon mausetot schien. Ende der 60er befand sich Hollywoods Studiosystem im Umbruch, für altmodische Cowboy und Indianer-Filme gab’s kein Publikum mehr und die alten Haudegen rund um John Wayne, James Stewart etc. waren längst in die Jahre gekommen. Auftritt Sergio Leone: Der italienische Filmemacher kreierte Mitte der 60er mit der berühmten Dollar-Trilogie (mit Clint Eastwood) eine völlig neue Spielart des Genres: den Italo- oder Spaghetti-Western. Diese Filme mit ihren wortkargen, unmoralischen Helden waren besonders in Europa immens erfolgreich. Leones guter Ruf hat sich dann aber bis nach Hollywood herumgesprochen. Für Spiel mir das Lied vom Tod gelang ihm ein richtiger Besetzungscoup: Als Bösewicht engagierte er mit Henry Fonda den Inbegriff des anständigen Amerikaners. Das ist in etwa so, als würde man heute Tom Hanks in der Rolle eines Serienmörders casten. Gleich bei seinem ersten Auftritt erschießt Fonda ohne mit der Wimper zu zucken einen kleinen Jungen – für das amerikanische Publikum ein unvorstellbarer Schock.

Das Drehbuch, das Leone mit den Co-Autoren Dario Argento und Bernardo Bertolucci verfasste, rechnet grandios mit dem Mythos des goldenen Western ab: Es geht um einen skrupellosen Eisenbahnunternehmer, der sich mit Hilfe des Killers Frank (Fonda) ein strategisch wichtiges Stück Land sichern will. Ihnen gegenüber stehen ein mysteriöser Fremder (Charles Bronson), der alternde Bandit Cheyenne (Jason Robards) und die schöne Jill (Claudia Cardinale). Berühmt geworden ist der Klassiker durch seine wunderschönen Breitwand-Bildkompositionen. Leone zitiert fast schon liebevoll die staubigen Monument Valley-Landschaftsaufnahmen, die Altmeister John Ford einst zu seinem Markenzeichen machte und für die Leone für diesen Film ausnahmweise an Originalschauplätzen drehte (wenngleich der Großteil in Almeria/Spanien gefilmt wurde). Im Kontrast dazu stehen die extremen Close-Ups auf die Gesichter der Revolverhelden, die ähnlich zerfurcht sind wie die Monument Valley-Felsen. Eine Review zu Spiel mir das Lied vom Tod wäre natürlich unvollständig, wenn man den prächtigen Soundtrack von Ennio Morricone außer Acht lassen würde. Der Komponist ordnete jeder der vier Hauptfiguren eindringliche Leitmotive zu, die längst ihren wohlverdienten Platz in der Geschichte der Filmmusik gefunden haben und bereits vor den Dreharbeiten fertig komponiert waren.

Die 4K UHD-Umsetzung des Klassikers lässt auch ohne den ganz großen Wow-Effekt technisch gesehen kaum Grund zur Kritik zu. Das Bild ist durchweg sauber und bietet einen sehr hohen Grad an komplexen Details, von den Gesichtern in Großaufnahme über die abgenutzen Kleidungsstücke bis zu den staubigen und felsigen Landschaften. Dank Dolby Vision-Korrektur wirken auch die Farben deutlich intensiver. Das Filmkorn wurde hier und da etwas zu sehr „glattgebügelt“ und dürfte nicht allen Fans gefallen, doch unterm Strich sah das Meisterwerk noch nie so gut aus. Die Extras wurden eins zu eins von der alten Blu-ray übernommen. Am besten ist nach wie vor der (zusammengeschnittene) Audiokommentar mit diversen Verehrern wie z.B. den Regisseuren John Carpenter, John Millius und Alex Cox. Neu dabei ist ein zusätzlicher Kommentar mit den Moderatoren des Spaghetti-Western-Podcasts und ein kurzes Featurette mit US-Filmhistoriker Leonard Maltin. Die limitierte Sammleredition enthält noch einige nette Gimmicks wie Artcards und ein Poster.

4K UHD Hauptfilm:

    • keine Extras

 Blu-ray Extras:

    • Audiokommentar mit Beiträgen von den Regisseuren John Carpenter, John Milius & Alex Cox, den Filmhistorikern Sir Christopher Frayling & Dr. Sheldon Hall, sowie Besetzung und Crew
    • NEU: Audiokommentar mit Jay Jennings and Tom Betts, den Moderatoren des Spaghetti-Western-Podcasts
    • NEU: Ein Rückblick mit Leonard Maltin (6 min)
    • Eine Oper der Gewalt (29 min)
    • Der Lohn der Sünde (20 min)
    • Die Verbindung mit dem Tod (18 min)
    • Eisenbahn: Die Revolutionierung des Westens (6 min)
    • Die Drehorte: Damals und Heute (4 min)
    • Produktionsgalerie (5 min)
    • Original Kinotrailer
  • 6 Artcards
  • Faltfoto der Zugstrecke
  • ‚Morton‘ Zugschild
  • Poster

 

Marcs Filmwertung

Überragend und unübertroffen: Einer der besten Western der Filmgeschichte mit gelungener 4K UHD-Premiere.

Marc

Marc

Cineast bis in die Haarspitzen. Anything goes außer Schweiger & Schweighöfer und Bollywood. Regie-Lieblinge: Fincher, Mann, Scorsese, Coppola, Lynch, die Coens, Tarantino, Cameron, De Palma, P.T. & Wes Anderson, Spielberg.
Beste Serie aller Zeiten: The Wire

Alle Reviews anschauen

Leserwertung

Eure Leserwertung:

Cast & Crew

Share This Post On

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert