The Wolfpack

© Universum Film GmbH

© Universum Film GmbH

The Wolfpack – Mitten in Manhattan

The Wolfpack

USA 2015

FSK: ab 12 Jahren

Länge: ca. 86 Min.

Studio: Candescent Films

Vertrieb: Universum Film GmbH

Filmzine-Review vom 21.02.2016

In einer New Yorker Sozialwohnung in der Lower East Side leben Susanne und Oscar Angulo mit ihren Söhnen Bhagavan, Govinda, Jagadisa, Krsna, Mukunda und Narayana und Tochter Vishnu. Da ihr Vater die Welt vor der Haustür für zu gefährlich und verdorben hält, haben seine Kinder seit 15 Jahren die Wohnung nicht verlassen. Ihr Wissen über das Leben da draußen beziehen sie aus Filmen: Reservoir Dogs, Pulp Fiction oder The Return of the Dark Knight stehen hoch im Kurs und werden mit selbstgebastelten Requisiten und Kulissen oft nachgespielt – die Drehbücher wurden einst handschriftlich mitgekritzelt. Eines Tages widersetzt sich der 15-jährige Mukunda jedoch den Auflagen des Vaters und verlässt die Wohnung. Er legt damit den Grundstein für den Anbruch einer neuen Ära für die Familie…

Wolfskinder nennt man in Isolation aufgewachsene Kinder – prominentestes Beispiel: Kaspar Hauser. Doch auch das rudelartige Auftreten der unzertrennlichen Angulo-Brüder rechtfertigt den Titel The Wolfpack. Die Geschichte der Geschwister ist zweifelsohne faszinierend, wenn auch mit etwas merkwürdigem Beigeschmack – kommt das elterliche Gebaren doch eigentlich einer Freiheitsberaubung gleich. Der Aspekt, den Regisseurin Crystal Moselle in den Vordergrund stellen und präsentieren möchte, ist die Besessenheit der Jungs mit modernen Filmklassikern. Das kann  man natürlich machen, aber dem Zuschauer stellen sich auf Anhieb zunächst ungefähr 300 andere drängendere und völlig naheliegende Fragen, die ungeklärt bleiben und somit ständig vom Thema ablenken. Es fängt schon damit an, dass die Brüder mit ihren Haaren bis zum Steiß und ihren Namen aus dem Hare Krishna-Universum kaum zu unterscheiden sind und in ihren Interviewparts nicht namentlich identifiziert werden. Warum wird Tochter Vishnu komplett ignoriert? Waren die Kinder nie krank? Hatte nie jemand ein Loch im Zahn oder eine Platzwunde? Die Mutter mag zwar vom Staat für ihren Heimunterricht bezahlt werden (Vater Oscar versteht seine Arbeitslosigkeit als Rebellentum gegen das Establishment), aber kann man davon eine 9-köpfige Familie ernähren? In New York of all places? Und wie ist die Regisseurin überhaupt auf die Familie aufmerksam geworden und wieso ist sie jetzt vor Ort, wo sie langsam beginnen, die Welt um sich herum zu entdecken? Nur aus dem Begleitmaterial erfährt man, dass Moselle die Familienbande bei einem ihrer ersten Freigänge entdeckte und sie ansprach – ihrer Faszination mit Filmen ist es zu verdanken, dass die Jungs sofort Vertrauen zu der Regisseurin fassten und sich von ihr über einen Zeitraum von 5 Jahren filmen ließen. Doch auch wenn es an der dokumentarischen Aufarbeitung hapert, zieht einen die Familie mit all ihrem Tun und Sein einfach in ihren Bann. Mutter Susanne erzählt, wie sie den Peruaner Oscar einst im Urlaub kennenlernte und die beiden sofort auf einer Wellenlänge waren und eine Weltanschauung teilen, bei der materielle Dinge, Mode, Fortschritt und Konsum keine Bedeutung einnehmen, sondern der familiäre Zusammenhalt, Liebe und gegenseitige Unterstützung im Vordergrund stehen. Diese Werte hat sie auch ihren Söhnen vermittelt, die untereinander besonders eng verbunden sind, sich jedoch wie im Fall von Mukunda zunehmend vom Vater entfremden, teils sogar nicht mehr mit ihm sprechen. Vater Oscar hat auf die ganze Filmerei offenbar wenig Lust und zieht sich die meiste Zeit in sein Zimmer zurück. Stattdessen führt das Wolfpack stolz die ein oder andere Lieblingsszene auf und zeigt den beeindruckenden Requisitenschatz wie das aus Pappe und Klebeband gebastelte Waffenarsenal oder ein wirklich großartig aussehendes Batman-Kostüm aus schwarz angemalten Müslischachteln.

Der uns vorliegende Screener enthielt kein Bonusmaterial und nur die unerträgliche deutsche Voiceover-Synchronisierung, die von Natur aus einfach billig anmutet und jegliche Nähe zu den Figuren nimmt. Die Kauf-DVD ist jedoch glücklicherweise mit der Originaltonspur ausgestattet.

 

Ninas Filmwertung

Gefeierte Doku über in eine ganz und gar ungewöhnliche New Yorker Großfamilie – allerdings mit Abzügen in der B-Note.

Nina

Nina

Synchronisationsverweigerin. Steht auf Klassiker und hat eine Schwäche für Hitchcock, James Stewart und Cary Grant. Bevorzugt Independent-Kino und visuell aus dem Rahmen fallende Filme à la Tim Burton oder Wes Anderson.

Alle Reviews anschauen

Leserwertung

Eure Leserwertung:
[Gesamt:3    Durchschnitt: 4/5]

 

Cast & Crew

Diese DVD/Blu-ray wurde uns vom Vertrieb Universum Film GmbH kostenlos zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt. Unsere Bewertung ist davon jedoch nicht beeinflusst und gibt die unabhängige, persönliche Meinung des jeweiligen Rezensenten wieder.
Share This Post On

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.