© Bildmaterial PLAION PICTURES

Blue Velvet

© PLAION PICTURES

Blue Velvet (Limited Mediabook – 4K UHD & 2 Blu-rays)

USA 1986

FSK: ab 16 Jahren

Länge: ca. 120 Min.

Vertrieb: Warner Home Video (PLAION)

VÖ-Datum: 29.01.2026

Filmzine-Review vom 27.01.2026

Nachdem sein Vater einen Schlaganfall hatte, kehrt Student Jeffrey (Kyle MacLachlan) zurück in die beschauliche und scheinbar idyllische Provinzstadt Lumberton. Als er bei einem Spaziergang ein abgeschnittenes Ohr findet, beginnt er zusammen mit der Nachbarstochter Sandy (Laura Dern) auf eigene Faust zu ermitteln. Die Spur führt ihn zur mysteriösen Nachtclub-Sängerin Dorothy Vallens (Isabella Rossellini). Jeffrey verschafft sich Zugang zu ihrer Wohnung und wird somit in eine bizarre Welt des Verbrechens und der Verführung hineingezogen, denn die Sängerin wird von einem ebenso gefährlichen wie gestörten Killer (Dennis Hopper) erpresst…

Nach den für David Lynch desaströsen Dreharbeiten zum gefloppten Dune – Der Wüstenplanet drehte der Regisseur mit Blue Velvet einen Schlüsselfilm der 1980er Jahre. Die Finanzierung kam etwas überraschend abermals von der Produzentenlegende Dino de Laurentiis, der ihm aber im Gegensatz zum vorherigen Großprojekt kein großes Budget zur Verfügung stellte. Mit einer längst legendären Eingangssequenz zieht Lynch sein Publikum von der ersten Sekunden an in den Bann, denn die amerikanische Kleinstadtidylle entpuppt sich schon nach wenigen Einstellungen – ein in Zeitlupe winkender Feuerwehrmann, die perfekten gelben Tulpen und ein blauer Himmel – als blanke Illusion. Nur wenig Momente später fährt die Kamera in das abgetrennte Ohr, das Jeffrey findet, und hier unter der Erdoberfläche hausen Insekten und die Realität besteht aus Krankheit und Verwesung. Der surreale Noir-Film über das Verborgene und das Böse jenseits der scheinbar sauberen und aufgeräumten heilen Welt hatte in den 90er Jahren einen nachhaltigen Einfluss auf die Filmlandschaft, auch auf die von Lynch, denn als Wegbereiter für Twin Peaks spielte Blue Velvet ohne Frage eine Schlüsselrolle. Der Film spielt in der vom Regisseur geprägten, an die 1950er Jahre angelehnten Gegenwart und entfaltet einen unwiderstehlichen Sog, wenn Kyle MacLachlans Student darum kämpft, Isabella Rossellinis Lounge-Sängerin vor Dennis Hoppers albtraumhaftem Sadisten zu beschützen, dabei aber seiner eigenen dunklen Seite begegnet. Die Schlüsselszene – „the Eye of the Duck“, wie Lynch solche Momente nannte – in der Hopper durch eine Interpretation von Roy Orbisons „In Dreams“ (vorgetragen von dem fantastischen Dean Stockwell) zu Tränen gerührt wird, demonstriert die unübertroffene Fähigkeit des Regisseurs, das Surreale in unvergesslichen Bildern einzufangen. Ausgehend von den unterschwelligen Botschaften seiner grenzenlosen Fantasie setzt Lynch in Blue Velvet einmal mehr den Maßstab für maximales Unbehagen, das man im Kino erleben kann. Und wie immer untermalt der 2022 verstorbene Angelo Badalamenti Lynchs Einmaligkeit mit einer ebenso atemberaubenden Filmmusik. Für Lynch war es nach Der Elefantenmensch die zweite (von insgesamt drei) Oscarnominierungen als bester Regisseur – gewinnen konnte er den hochverdienten Preis aber nie.

Fast pünktlich zum ersten Todestag von David Lynch veröffentlicht Plaion Pictures das Meisterwerk in einem famos ausgestatteten 4K UHD Mediabook. Damit sind nun mit Ausnahme von Wild at Heart sämtliche Lynch-Werke im bestmöglichen Heimkinoformat erhältlich. Das schon gute Bild der Blu-ray wird in nativem 4K durch einige dunklere Nuancen erweitert und auch die Hintergründe sehen besser definiert aus. Die Farbwiedergabe ist in einigen Szenen fantastisch und kommt besonders bei Isabella Rossellinis Bühnenauftritt im Nachtclub eindrucksvoll zur Geltung. Die Extras sind für Lynch-Fans die erhoffte Fundgrube: Zu den Höhepunkten gehören die Doku Blue Velvet Revisted, die der deutsche Regisseur Peter Braatz 1985 in Wilmington, North Carolina, am Set drehte, fast eine Stunde an entfernten Szenen und ein Interview mit Dennis Hopper, dessen kultverdächtiger Auftritt als drogenabhängiger und sexbesessener Frank Booth Filmgeschichte geschrieben hat. Auch der kurze Trailers from Hell-Clip mit Josh Olsen ist als kurze Einführung einen Blick wert.

 

4K UHD & Blu-ray Extras:

    • Dokumentation: Blue Velvet Revisited (89 min)
    • Dokumentation: Mysteries of Love (71 min)
    • Interview mit Dennis Hopper (45 min)
    • Trailers from Hell: Josh Olson über BLUE VELVET (2 min)
    • Deleted Scenes (54 min)
    • Outtakes (2 min)
    • Siskel & Ebert Review (2 min)
    • TV Spots & Radio Spots
    • Trailer Deutsch & Englisch
    • Bildergalerie
    • 24-seitiges Booklet mit einem Text des österreichischen Regisseurs Paul Poet
    • 2 Covervarianten

 

Marcs Filmwertung

Darauf ein kühles Heineken: Meisterhafter, surrealer Neo-Noir-Thriller über verborgene Wünsche und Begierden, der zu den besten Werken von David Lynch zählt.

Marc

Marc

Cineast bis in die Haarspitzen. Anything goes außer Schweiger & Schweighöfer und Bollywood. Regie-Lieblinge: Fincher, Mann, Scorsese, Coppola, Lynch, die Coens, Tarantino, Cameron, De Palma, P.T. & Wes Anderson, Spielberg.
Beste Serie aller Zeiten: The Wire

Alle Reviews anschauen

Leserwertung

Eure Leserwertung:

Original Trailer

Dieses Video ansehen auf YouTube.
Klick auf das Video-Vorschaubild stellt eine Verbindung zu YouTube her und setzt YouTube-Cookies auf Deinem Rechner. (Weitere Datenschutzinfos.)

Cast & Crew

Share This Post On

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert