Ana Torroja & Miguel Bosè – Girados en concierto
Spanien 2001
FSK: ohne Altersbegrenzung
Länge: ca. 130 Min.
Studio: Warner Music
Vertrieb: Warner Music Vision
Filmzine-Review vom 27.06.2002
Ana Torroja hat bereits in den 80er Jahren als Frontfrau von Mecano internationale Erfolge feiern können: die Band zählte ohne Zweifel zu den erfolgreichsten Musikexporten Spaniens. Obwohl sie sich früher nie vorstellen konnte, ohne ihre Mecano-Kollegen José und Nacho auf der Bühne zu stehen, weiß Ana Torroja seit 1995 auch im Alleingang zu überzeugen: 2001 hat sie ihr drittes Solo-Album herausgebracht.
Miguel Bosè ist ein wahres Multitalent: er studierte Theater und Tanz, schaffte im Alter von 15 Jahren sein Filmdebüt und startete 1977 eine beispiellose Musikkarriere mit inzwischen fast zwanzig Alben – das bisher letzte, Sereno, erschien 2001.
Kein Wunder eigentlich, dass eine Zusammenarbeit dieser beiden Größen der spanischen Pop-Welt nur eine Show der Superlative hervorbringen konnte: dass es diese auch geworden ist, wird schon beim ersten Blick auf den Bühnenaufbau klar. Ein Jahr lang tourten die beiden Ausnahmekünstler gemeinsam durch Spanien und Lateinamerika und begeisterten dabei weit über eine Million Zuschauer. Auf dem Höhepunkt dieser Tour – GiraDos – wurde im Juli in La Coruña die gleichnamige DVD (ebenso wie eine Audio-CD) aufgezeichnet.
Das Konzert beinhaltet mit 23 Songs eine beeindruckende Reise durch zwanzig Jahre spanische Popgeschichte. Von Mecano-Hits wie „Hoy no me puedo levantar“ (1982) oder „Hijo de la luna“ (1988) bis zu Solo-Titeln von Ana wie „Cómo suenan las sirenas“ (1997) oder „Ya no te quiero“ (1999), von Miguel Bosé-Klassikern wie „Nena“ (1986) oder „Bambú“ (1990) hin zum exklusiven Abschluss: dem eigens für die Tour geschriebenen Duett „Corazones“. Dabei wechseln sich Ana und Miguel mal ab, mal bringen sie die Stücke gemeinsam auf die Bühne, wie z.B. Bosè’s 1987er Erfolg „Duende“, der zwischenzeitlich in dieser Duett-Version sogar als Single erschienen ist. Auch musikalisch bietet das Konzert einiges an Abwechslung: das bluesige „Ya no te quiero“ steht neben einer rockigen Version von „Barco a Venus“, die sozialkritische Ballade „Mujer contra mujer“ neben dem 80er Jahre-Discosound von „Duende“. Das ganze ist so perfekt arrangiert, gesungen und abgemischt, dass es manchmal fast schon an eine Studioaufnahme erinnert – wäre da nicht das Publikum, das schon beim zweiten Song mühelos den halben Text bestreitet. Die zahlreichen Live-Musiker auf der Bühne tragen zum professionellen Sound sicher ebenso viel bei wie die unverwechselbare Stimme von Miguel Bosè und die umwerfenden Gesangskünste von Ana Torroja. Die an Musikvideos erinnernden Schnitte mit Zeitlupen- und Überblend-Effekten sind wohl Geschmackssache – sie beweisen aber zumindest, dass man sich mit der Bildproduktion durchaus Mühe gegeben hat.
Leider spiegelt sich dies nicht in der Ausstattung der Scheibe wider: im Gegenteil. Die kurzen Interviews mit den beiden Künstlern wurden etwas unglücklich und fast schon störend zwischen die einzelnen Songs des Konzertes platziert, anstatt sie separat zu bündeln – die übrigen Bonusmaterialien lassen sich getrost in die Kategorie „Füllmaterial“ einordnen. Der Sound liegt leider nur in 2.0 vor – ein bisschen Surround wäre der Konzertatmosphäre sicherlich gut bekommen. Schade für den Fan ohne Spanischkenntnisse, dass der Originalimport auch in den Interviews keinerlei Untertitel beinhaltet.
Katjas Filmwertung
Hochprofessioneller Pop aus Spanien mit zwei überragenden Ausnahmekünstlern.
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