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Angeklagt

© Paramount Pictures Home Entertainment

Angeklagt

The Accused

USA 1988

FSK: ab 16 Jahren

Länge: ca. 110 Min.

Vertrieb: Paramount Pictures Home Entertainment

Filmzine-Review vom 21.03.2022

Die junge Sarah Tobias (Jodie Foster) wird eines Nachts im Hinterraum einer Kneipe am Stadtrand von mehreren Männern vergewaltigt. Ihre Staatsanwältin Kathryn Murphy (Kelly McGillis) lässt sich von der Gegenseite zu einer außergerichtlichen Einigung überreden, ohne dass Sarah vor Gericht aussagen kann. Die junge Frau fühlt sich verraten, denn die Täter wurden nicht wegen Vergewaltigung, sondern lediglich wegen schwerer Körperverletzung zu einem verhältnismäßig geringen Strafmaß verurteilt. Als Murphy ihren Fehler einsieht, will sie den Fall erneut aufrollen – und diesmal diejenigen zur Rechenschaft ziehen, die tatenlos zugesehen und die Vergewaltiger sogar noch angefeuert haben…

Auch knapp 35 Jahre später hat Angeklagt (1988) nichts von seiner Brisanz und Aktualität verloren. Was hat sich seitdem in der öffentlichen Wahrnehmung verändert? Möglicherweise, so möchte man zumindest hoffen, geht man zum einen bei der Beweissicherung mit den traumatisierten Opfern etwas empathischer um und ist man zum anderen für das Thema Victim-Blaming etwas besser sensibilisiert. Nicht so die Anwälte der Gegenseite: Ach, Sie trugen einen kurzen Rock? Oh, und Sie hatten Alkohol getrunken? Und dann haben Sie nur „Nein“ gerufen und nicht „Entschuldigung, ich werde gerade vergewaltigt, könnte bitte mal jemand die Polizei rufen“? Tja dann…

Inspiriert wurde der Film von dem schrecklichen Fall der 21-jährigen Cheryl Araujo, die 1983 von sechs Männern zwei Stunden lang in einer Kneipe vergewaltigt wurde, wo sie einfach nur Zigaretten holen wollte. In ihrem Fall wurden allerdings die Vergewaltiger verurteilt und die Umstehenden freigesprochen. Die Verhandlung erregte seinerzeit großes Medieninteresse und brachte einige hässliche gesellschaftliche Reaktionen hervor – die Öffentlichkeit war generell der Auffassung, Cheryl hätte halt einfach zu Hause bleiben sollen, wo sie hingehört. Die Frage des damaligen Strafverteidigers „If you’re living with a man, what are you doing running around the streets getting raped?“ (Was rennen Sie als verheiratete Frau auch in der Gegend rum und lassen sich vergewaltigen?) war Regisseur Jonathan Kaplan wohl zu absurd oder unglaubwürdig. Dennoch provoziert er bewusst, um sein Publikum auf die Probe zu stellen. Sarah Tobias ist nicht die Unschuld vom Lande: Sie trinkt, nimmt hin und wieder Drogen, tanzt sexy und sie flucht, sobald sie den Mund aufmacht – sie ist, was man gemeinhin als Trailer-Trash bezeichnet. Jodie Foster spielt die sehr zerbrechliche und traumatisierte junge Frau, die vielleicht nicht besonders eloquent, aber dafür mutig genug für eine Aussage vor Gericht ist, mit einer beängstigenden Eindringlichkeit und Intensität. Zwölf Jahre nach ihrer Oscar-Nominierung für Taxi Driver erhielt sie für Angeklagt ihren ersten Oscar als Hauptdarstellerin.

 

Blu-ray Extras:

    • Trailer zum Film

 

Ninas Filmwertung

Beklemmendes Gerichtsdrama, das Jodie Foster seinerzeit ihren ersten Oscar bescherte und bis heute nichts von seiner Brisanz verloren hat.

Nina

Nina

Synchronisationsverweigerin. Steht auf Klassiker und hat eine Schwäche für Hitchcock, James Stewart und Cary Grant. Bevorzugt Independent-Kino und visuell aus dem Rahmen fallende Filme à la Tim Burton oder Wes Anderson.

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