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Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo

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Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo (4K UHD)

D 1981

FSK: ab 16 Jahren

Länge: ca. 131 Min.

Vertrieb: EuroVideo Medien GmbH

Filmzine-Review vom 09.04.2022

Berlin Gropiusstadt in den 1970er Jahren. Die 13-jährige Christiane F. will endlich auch mal ins Sound gehen, Europas modernste Diskothek. Unter dem Vorwand, bei einer Freundin übernachten zu wollen, steigt sie erstmals ins Berliner Nachtleben ein und gerät an die Clique von Axel, Detlef und Co. Über ihre neuen Freunde kommt sie mit LSD und Gras in Berührung, wird aber schon bald auch auf Heroin neugierig. Um ihre Sucht zu finanzieren, prostituiert sie sich am Bahnhof Zoo auf dem Babystrich. Jegliche Entzugsversuche scheitern. Auch als sich ihre Clique durch Überdosen immer weiter dezimiert, gelingt ihr der Absprung nicht. Wie so viele andere Kinder und Jugendliche ist sie im Teufelskreislauf gefangen…

Das 1978 vom Stern herausgebrachte biografische Buch Wir Kinder vom Bahnhof Zoo wird zum erfolgreichsten deutschen Sachbuch der Nachkriegszeit und führt 95 Wochen lang die Spiegel-Bestsellerliste an. Drei Jahre später kommt Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo in die Kinos. Uli Edel, der den Film kurzfristig von einem anderen Regisseur übernimmt, dreht an Originalschauplätzen und überwiegend mit Laienschauspielern. Als großes Zugpferd dient der Soundtrack von David Bowie – und natürlich das Bowie-Konzert, das Christiane im Film besucht und bei dem sie sich ihren ersten Schuss setzt. Wer sich über die zahlreichen Kuttenträger im Publikum wundert: Bowie gastierte gerade in New York, so dass sein Auftritt dort gefilmt wurde, während die Publikumsaufnahmen bei einem AC/DC-Konzert entstanden. Zwar würde man nach heutigen Sehgewohnheiten sicherlich nicht mehr von einem Skandalfilm sprechen, aber die Verfilmung hat bis heute nichts von ihrer verstörenden Wucht verloren. Das liegt zum einen an den wirklich beeindruckenden Leistungen der jungen Laiendarsteller, zum anderen natürlich an der ungeschönten und expliziten Darstellung der Drogensucht in all ihrer Hässlichkeit. Junkies, die über Klowände springen, um sich gegenseitig die Nadeln aus den Armen zu reißen und sich den Stoff selbst zu injizieren, leere Zombie-Gesichter junger Menschen in den trostlosen Bahnhofstunneln… Besonders intensiv ist die Cold-Turkey-Szene von Christiane und Detlef geraten. Eingesperrt in ihrem Kinderzimmer krümmen sich die beiden vor Schmerzen, schwitzen, frieren, kotzen, um dann doch wieder einzubrechen – und alles nochmal von vorn zu versuchen. Wenn sie sich dann nach dem vermeintlich erfolgreichen Entzug erstmal mit einem Schuss belohnen wollen, weil sie ja jetzt wissen, dass sie jederzeit aufhören können, möchte man die beiden am liebsten kräftig durchschütteln.

Großes Kompliment an die 4K-Tüftler: So gut sah Christiane F. wohl noch nie aus. Mit Schaudern erinnert man sich noch an die verrauschten alten DVD- und Blu-ray-Versionen des Kultfilms. Die Qualitätssteigerung in UHD ist phänomenal, insbesondere bei den maximierten Kontrasten und dem deutlich verbesserten Farbspektrum, z. B. Bowies hellrot leuchtende Jacke bei seinem Konzertauftritt. In seinem Audiokommentar plaudert Regisseur Uli Edel aus dem Nähkästchen. Ebenfalls mit an Bord ist ein aktuelles, knapp halbstündiges Interview mit Hauptdarstellerin Natja Brunckhorst, in dem sie die Dreharbeiten Revue passieren lässt und sich erinnert, wie sie in einer Szene beinahe in das Auto eines nichtsahnenden echten Freiers gestiegen wäre.

 

4K UHD Extras:

    • Audiokommentar mit Regisseur Uli Edel
    • Interview mit Natja Brunckhorst (27 min)
    • Casting Einblicke (5 min)
    • Trailer zum Film
    • Trailer zu „PlatzSpitzBaby“
    • Wendecover

 

Ninas Filmwertung

Guten Morgen Berlin, du kannst so hässlich sein – die Lebensbeichte der berühmtesten Drogensüchtigen Deutschlands in grandios restaurierter 4K-Fassung.

Nina

Nina

Synchronisationsverweigerin. Steht auf Klassiker und hat eine Schwäche für Hitchcock, James Stewart und Cary Grant. Bevorzugt Independent-Kino und visuell aus dem Rahmen fallende Filme à la Tim Burton oder Wes Anderson.

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