Citizenfour (OmU)
USA | Großbritannien | Deutschland 2014
FSK: ab 0 Jahren
Länge: ca. 114 Min.
Studio: Praxis Films
Vertrieb: good!movies
Filmzine-Review vom 04.05.2015
„The evidence for the strength of your beliefs is the strength of your actions.“
Edward Snowden
Im Januar 2013 erhält Filmemacherin Laura Poitras, die zum Beispiel in My Country, My Country oder The Oath schon so manches gesellschaftspolitische Thema in kritischen Dokumentationen verarbeitet hat, verschlüsselte, anonyme E-Mails. Der Absender nennt sich „Citizenfour“ und kündigt an, er habe Beweise für illegale Massenüberwachungsprogramme der NSA und anderer Geheimdienste. Er möchte, dass die Öffentlichkeit von dieser im Verborgenen aufgebauten Überwachungsmaschinerie erfährt. Und so reist Poitras gemeinsam mit dem Journalisten Glenn Greenwald nach Hongkong, um dort den Absender der E-Mails zu treffen: Edward Snowden.
Mit seinen Enthüllungen über die Überwachungsangriffe der NSA hat Edward Snowden Geschichte geschrieben. Laura Poitras‘ Dokumentation Citizenfour tut nichts Geringeres, als uns diesen entscheidenden Moment der Weltgeschichte unmittelbar miterleben zu lassen. Miterleben, wie die Welt auf das Wissen um die Überwachungsangriffe reagiert. Miterleben, wie aus Snowdens theoretischen Überlegungen, was auf die Enthüllungen folgen wird, plötzlich Realität wird. Vor allem aber lässt sie uns miterleben, wie ein Mensch die Welt verändert, indem er einfach nur das Richtige tut – und dabei sein eigenes Leben vollständig hintenanstellt. Die Ernsthaftigkeit und gleichzeitig Selbstverständlichkeit, mit der Snowden seiner Entscheidung und den daraus folgenden Konsequenzen entgegentritt, ist so beeindruckend und so inspirierend, dass man nur hoffen kann, dass sich auch andere in ähnlichen Rollen davon anstecken lassen. Denn einer der vielen Aspekte, die Citizenfour glasklar deutlich macht, ist der: Überall dort auf der Welt, wo Entwicklungen sich in einer Form verselbstständigen, wie sie es im Falle der Überwachungsangriffe getan haben, sind es Menschen, die die Entscheidungen treffen.
Citizenfour erschreckt, rüttelt auf und desillusioniert – obwohl oder gerade weil er kaum etwas erzählt, was wir nicht schon über die Medien erfahren haben. Und man fragt sich angesichts der Selbstlosigkeit Snowdens, ob die Reaktion, die die Welt auf dieses Geschenk gezeigt hat, wirklich ausreicht. Trotz aller angebrachten Skepsis macht Citizenfour aber auch Hoffnung. Hoffnung, dass die Größe, die Edward Snowden mit seinem Schritt an die Öffentlichkeit gezeigt hat, doch nicht einzigartig ist, sondern dass immer mehr Menschen im entscheidenden Moment im Sinne der Menschlichkeit und der Freiheit handeln werden. Hoffnung, dass wir uns aufrütteln lassen und nicht zulassen, dass Angst, Bequemlichkeit und Unwissen über die Freiheit siegen. Bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt…
Katjas Filmwertung
Spannender als jeder Spionage-Thriller. Ein Dokument der Weltgeschichte mit Gänsehautfaktor, das erschüttert, desillusioniert und inspiriert. Must-see.
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Leserwertung
Trailer
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