Der Leuchtturm

© Universal Pictures Home Entertainment

Der Leuchtturm

The Lighthouse

USA 2019

FSK: ab 16 Jahren

Länge: ca. 109 Min.

Vertrieb: Universal Pictures Home Entertainment

Filmzine-Review vom 12.04.2020

Neuengland 1890: Die beiden Leuchtturmwärter Thomas Wake (Willem Dafoe) und Ephraim Winslow (Robert Pattinson) treten auf einem kleinen Eiland vor der Küste ihren Dienst an. Das Sagen hat der alte Seebär Wake, der dem jungen Ex-Holzfäller mit Nachdruck in dessen Pflichten einweist. Dem Neuling machen Einsamkeit und die merkwürdigen Marotten seines Mentors zunehmend zu schaffen. Als ein heftiger Sturm das Duo von der Außenwelt abschneidet, scheinen beide dem Wahnsinn zu verfallen…

Neben Ari Aster (Midsommar) gilt Robert Eggers (The Witch) als die große Hoffnung im modernen Horrorfilm. Schon mit seinem zweiten Werk Der Leuchtturm kann der junge amerikanische Filmemacher diesen Ruf zementieren und die Erwartungen, die sein ungewöhnlicher Hexenfilm geschürt hat, sogar noch übertreffen. Fernab von allen gängigen Hollywood-Konventionen inszniert Eggers das Kammerspiel im bedrückenden 1,19:1-Seitenverhältnis und verpasst dem ganzen einen surrealistisch anmutenden Schwarz-Weiß-Look mit äußerst strenger (und oscarnominierter) Kameraführung und bedrohlicher Akustikkulisse, die den Psychotrip mit angemessenem Score und subtilen (Nebelhorn)-Geräuschen passend begleitet. Trotz vieler alptraumhafter Szenen und eines frühen Hinweises auf Salem, Massachusetts, der einen Bogen zu Eggers‘ vorherigem Film schlägt, ist Der Leuchtturm mehr ein psychologischer Thriller über Wahnvorstellungen als reines Horrorkino. Von der formalen Sperrigkeit sollte man sich nicht abschrecken lassen, denn mit Willem Dafoe und Robert Pattinson in den Hauptrollen verfügt das Werk zusätzlich über eine brillante Besetzung. Beide gehen hier an ihre Grenzen und spielen sich förmlich die Seele aus dem Leib. Von einem erfahrenen Schauspiel-Veteranen wie Willem Dafoe kann man das vielleicht noch erwarten, aber dass ausgerechnet das einst so blässliche Teen-Idol Robert Pattinson als gleichermaßen verwirrter und frustrierter Leuchtturmwärter am Rande des Nervenzusammenbruchs einen so starken Eindruck hinterlässt, ist die größte Überraschung des Films.

Auf der Blu-ray kommt die ausgefeilte Bildsprache mit dem sehr deutlichen Schwarz-Weiß-Kontrast nahezu perfekt zur Geltung. Ein ausführliches Making of, das man erst nach Ansicht des Films gucken sollte, geht nicht nur auf die technischen Herausforderungen ein, sondern bietet auch Interviews mit den beiden Hauptdarstellern (in Farbe!).

 

Blu-ray Extras:

    • Audiokommentar mit Co-Autor/Regisseur Robert Eggers
    • Eine dunkle und stürmische Geschichte (38 min)
    • 2 unveröffentlichte Szenen (5 min)
    • Wendecover

 

Marcs Filmwertung

Psychologisch verstörender Mix aus Horrortrip und Kammerspiel, technisch brillant umgesetzt und phänomenal gespielt.

Marc

Marc

Cineast bis in die Haarspitzen. Anything goes außer Schweiger & Schweighöfer und Bollywood. Regie-Lieblinge: Fincher, Mann, Scorsese, Coppola, Lynch, die Coens, Tarantino, Cameron, De Palma, P.T. & Wes Anderson, Spielberg.
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