Extrem laut und unglaublich nah

© Warner Home Video

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Extrem laut und unglaublich nah

Extremely Loud & Incredibly Close

USA 2011

FSK: ab 12 Jahren

Länge: ca. 129 Min.

Studio: Paramount Pictures

Vertrieb: Warner Home Video

Filmzine-Review vom 25.06.2012

Der 11-jährige Oskar Schell trauert um seinen Vater, der in den Türmen des World Trade Center ums Leben kam. Als er in Papas Schrank einen in einer Vase versteckten Schlüssel findet, hält er dies für eines seiner geliebten Rätsel, die sein Vater sich früher für ihn ausdachte. Der Schlüssel befindet sich in einem Papiertütchen, auf dem das Wort „Black“ steht. Also beginnt der hochbegabte Oskar mit geradezu wissenschaftlicher Akribik, alle 475 Familien in New York mit dem Namen Black aufzusuchen – in der Hoffnung, einer von ihnen könne ihm helfen, das Geheimnis des Schlüssels zu lüften…

Vor 10 Jahren war es noch undenkbar, einen Film zum Thema 9/11 zu drehen. Und doch war klar, dass irgendwann die filmische Aufarbeitung kommen würde. Nach und nach begegnete man dem schwarzen Tag zunehmend in Romanen, oft eher beiläufig, doch Jonathan Safran Foer machte die Anschläge in Extrem laut und unglaublich nah zum unmittelbaren Thema und beobachtet in seinem zweiten Werk einen kleinen Jungen bei der Trauerbewältigung. Oskar ist natürlich nicht irgendein Kind, sondern hat durch sein Asperger-Syndrom eine Reihe sonderlicher Eigenschaften, Vorlieben und Abneigungen und so zieht er ohne Blechtrommel, dafür aber mit Tamburin zu Fuß durch New York. Zum Glück muss er dies nicht lang allein tun, denn schon bald schließt sich ihm der geheimnisvolle, stumme Untermieter (Max von Sydow) seiner Großmutter auf seinen Streifzügen durch die Großstadt an und ist für Oskar Vertrauter, Zuhörer und Verbündeter. Die stark stilisierte Romanvorlage und die zwar adäquate, aber unterm Strich vielleicht etwas zu naiv wirkende Umsetzung brachtem dem Film zwiespältige Kritiken, auf der anderen Seite aber auch zwei Oscar-Nominierungen (sogar als bester Film) ein. Vor allem das anrührende Finale, bei dem Mutter und Sohn endlich wieder zueinander finden, ist reichlich dick aufgetragen. Zu einfach und distanziert wirkt die Auseinandersetzung mit dem traumatischen Ereignis; dem Ausmaß dieser entsetzlichen Tragödie können Film und Buch schlichtweg nicht gerecht werden – wollen es vielleicht aber auch gar nicht, schließlich ist die gesamte Handlung bewusst märchenhaft und symbolträchtig angelegt.

Die Extras halten eine interessante Story zum Casting von Oskar bereit: die Macher entdeckten Thomas Horn bei einer Ausgabe vom Kinder-Jeopardy, wo ihnen das aufgeweckte Kerlchen, das übrigens Chinesisch lernt, auffiel. Dem charismatischen Max von Sydow, der in seiner Rolle ja nicht spricht, wird quasi als Ausgleich ein mit knapp 45 Minuten recht langes Bonusfeature gewidmet.

 

Ninas Filmwertung

Nicht immer plausibel, oft manipulativ – ein Großstadtmärchen im Schatten von 9/11.

Nina

Nina

Synchronisationsverweigerin. Steht auf Klassiker und hat eine Schwäche für Hitchcock, James Stewart und Cary Grant. Bevorzugt Independent-Kino und visuell aus dem Rahmen fallende Filme à la Tim Burton oder Wes Anderson.

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