Berlin Alexanderplatz

© Universal Pictures Home Entertainment

Berlin Alexanderplatz

D 2020

FSK: ab 12 Jahren

Länge: ca. 183 Min.

Vertrieb: Universal Pictures Home Entertainment

Filmzine-Review vom 16.12.2020

Nach seiner Flucht aus Afrika in Berlin angekommen hat Francis (Welket Bungué) nur einen Vorsatz: Er will gut sein. Ein gutes Leben führen, etwas aus sich machen, seinen Beitrag zur Gesellschaft leisten, idealerweise mit deutschem Pass. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg. In der Flüchtlingsunterkunft rekrutiert der verschrobene Reinhold (Albrecht Schuch) die Drogendealer für seinen Ring. In Francis erkennt er Potenzial, zwischen den beiden entsteht eine gefährliche Freundschaft. Francis nutzt das Sprungbrett raus aus dem Flüchtlingsheim und lernt im Unterholz des Berliner Asphaltdschungels Escort-Girl Mieze (Jella Haase) kennen und lieben. Mit ihr könnte der Traum von der glücklichen Zukunft gelingen, doch er kann Reinholds Fängen nicht entkommen…

Ausnahmeregisseur Burhan Qurbani ist mit Berlin Alexanderplatz ein richtig großer Wurf gelungen. Einer, wie ihn das deutsche Kino öfter gebrauchen könnte. Die Geschichte von einem, der auszog, um gut zu sein, ist wie gemacht für den Irrweg des guinea-bissaui­schen Flüchtlings, der mit aller Macht und voller guter Absichten versucht, im Sündenpfuhl Berlin Fuß zu fassen, aber dem die Großstadt einfach keine Chance und keine Wahl lässt – so wie es im Roman dem proletarischen Arbeiter Franz Biberkopf ergeht. Die expressionistische Sprache des Originals wird in Erzählpassagen aufgegriffen, die Jella Haase aus dem Off spricht. Diese Elemente bringen immer wieder Ruhe in den surrealen Alptraum, in dem sich Francis wiederfindet, und sie kollidieren und harmonieren gleichzeitig mit der flirrend-modernen Bildsprache. Das wuchtige Werk entwickelt einen Sog, dem man sich nicht entziehen kann und der dafür sorgt, dass drei Stunden an einem vorbeizischen, ohne dass man zur Uhr schielt. Zu verdanken ist dies natürlich dem Protagonisten-Trio, das auf ganzer Linie überzeugt – allen voran Albrecht Schuch (Systemsprenger) als unberechenbarer Soziopath.

 

Blu-ray Extras:

    • Interviews mit Darstellern und Crew  (39 min)

 

Ninas Filmwertung

Flirrend-expressionistische Neuinterpretation des Jahrhundertromans von Alfred Döblin, die einen wie eine Tsunamiwelle überrollt und mitreißt.

Nina

Nina

Synchronisationsverweigerin. Steht auf Klassiker und hat eine Schwäche für Hitchcock, James Stewart und Cary Grant. Bevorzugt Independent-Kino und visuell aus dem Rahmen fallende Filme à la Tim Burton oder Wes Anderson.

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