Billy Idol – VH-1 Storytellers
USA 2002
FSK: ohne Altersbegrenzung
Länge: ca. 104 Min.
Vertrieb: Warner Music Vision
Filmzine-Review vom 15.08.2002
Wann genau Billy Idol vom Punk- zum Pop-Rocker konvertierte, weiß heute niemand mehr so genau. Fest steht: Idol war zunächst (wenn auch nur kurz) Gründungsmitglied der „Sex Pistols“, bevor er als Frontmann der „GenerationX“ eine eigene Band formierte, um schließlich Anfang der Achtziger seine musikalisch gemäßigte Solokarriere zu starten, die ihn zum Kultobjekt mit Wuschelkopf und steifer Oberlippe machte.
Fast zwanzig Jahre später war es um den sexy Berufs-Bösewicht erschreckend ruhig geworden, bis 2001 ein „Greatest Hits“-Album seinen Weg in die Plattenregale fand, gefolgt vom vorliegenden (trackmäßig fast deckungsgleichen) Fernsehkonzert, das im April des gleichen Jahres in New York für die Sendereihe VH1-Storytellers aufgezeichnet wurde.
„Das ist doch nicht Billy Idol“ – ist mein erster Gedanke, als der wasserstoff-blonde Rocker die Bühne betritt, obwohl alle erkennbaren Devotionalien dafür sprechen. Und tatsächlich, der zweite Blick macht klar: er ist es wirklich, aber verdammt alt geworden! Begleitet von Steve Stevens, dem Mann, der von Anfang an als Garant für den Idol-typischen Gitarrensound stand, eröffnet die Band den Abend mit „Cradle of Love“. Als die Playlist kurz darauf „White Wedding“ erreicht, scheint das Konzert langsam in Fahrt zu kommen. Doch irgendetwas stört. Da steht eine Punk-Ikone auf der Bühne, erzählt zwischen den Songs informative, vermeintlich intime Anekdoten, und als „Rebel Yell“ aus der PA dröhnt, bin ich mir sicher: hier singt sich jemand die Midlife Crisis aus der Seele. Dieser Billy scheint müde und verkrampft, ein alter William Michael Albert Broad, der über Sex & Revolution singt und dabei manchmal geradezu deplatziert wirkt.
Dennoch: das Konzert kann sich rein objektiv sehen und hören lassen. Es gibt Hit über Hit: Punk der GenerationX, Pop & Rock aus den großen Erfolgsalben und das alles in brilliantem digitalen Surround-Sound, der selbst das verhältnismäßig magere Livepublikum zu einem Stimmungsmacher werden lässt. Dabei klingt der Bühnensound einschließlich der Vocals jedoch etwas zu sauber, fast schon nach Studio, so dass sich der Verdacht aufdrängt, dass hier nachträglich überdurchschnittlich aufpoliert wurde. Die Extras reduzieren sich auf Texttafeln, allein die Option, die DVD in einem Music-Only Modus (ohne Zwischenstatements) laufen zu lassen, kann positiv erwähnt werden.
Mikes Filmwertung
Für Idol-Fans und Freunde von Achtziger-Revivals ein Leckerbissen.
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