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Das Urteil von Nürnberg

© Capelight Pictures

Das Urteil von Nürnberg (Mediabook)

Judgment at Nuremberg

USA 1961

FSK: ab 12 Jahren

Länge: ca. 190 Min.

Vertrieb: Capelight Pictures

Filmzine-Review vom 01.11.2018

Nürnberg 1948: zwei Jahre nach dem Nürnberger Kriegsverbrecherprozess soll der amerikanische Richter Dan Haywood (Spencer Tracy), der eigentlich schon im Ruhestand ist, in einem Nachfolgeprozess über vier einflussreiche Richter der NS-Zeit urteilen. Unter den Angeklagten befindet sich auch der einst angesehene Jurist Dr. Ernst Janning (Burt Lancaster). Während Chef-Ankläger Colonel Tad Lawson (Richard Widmark) eine harte Bestrafung fordert, plädiert Verteidiger Hans Rolfe (Maximilian Schell) auf einen Freispruch, da die Angeklagten im Namen der damaligen deutschen Gesetze gehandelt hätten. In den Zeugenstand treten u.a. Opfer der Zwangssterilisation (Montgomery Clift) und der sogenannten „Rassenschande“ (Judy Garland)…

Während das deutsche Nachkriegskino den Nazi-Gräueltaten lange Zeit Heimatfilme und heile Welt entgegensetzte, versuchte man sich anderswo mit ernsthafter Aufarbeitung (z.B. Alan Renais Nacht und Nebel). In Hollywood wagte sich 1961 Stanley Kramer in Das Urteil von Nürnberg mit einem unfassbaren Staraufgebot an die heikle Thematik. Frei nach den realen Gerichtsdokumenten von Einzelfällen der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse dreht sich das in nüchternem Schwarz-Weiß gehaltene Gerichtsdrama um das Problem einer objektiven juristischen Wahrheitsfindung. Ohne Effekthascherei gelingt dem Werk, das auch echtes Dokumentarfilmmaterial aus den Konzentrationslagern zeigt, über weite Strecken der 190 Minuten (mit Overture und Unterbrechung) eine gelungene Dramatisierung. Die Schauspieler agieren allesamt auf höchstem Niveau, angeführt von Spencer Tracey, der unantastbaren moralischen Instanz des amerikanischen Kinos jener Zeit. Burt Lancaster, Marlene Dietrich (als Generals-Witwe, die sich mit dem Richter anfreundet) und Montgomery Clift sind großartig, doch ihnen allen stiehlt Maximilian Schell die Show, der für seinen Auftritt als leidenschaftlicher Verteidiger mit dem Oscar als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet wurde. Das Urteil von Nürnberg fand jedoch nicht nur Anhänger, die New Yorker Filmkritiker-Legende Pauline Kael etwa nannte das Werk „An all-star concentration-camp drama, with special guest-victim appearances“.

Die technische Umsetzung der Blu-ray ist außerordentlich gut gelungen. Das kontrastreiche Bild ist fast fehlerfrei und selbst der 5.1-Upmix der engl. Originaltonspur überzeugt mit subtilen Effekten. In den Extras kommen u.a. Maximilian Schell und der ebenfalls mit dem Oscar prämierte Drehbuchautor Abby Mann zu Wort. Dazu gibt’s die Tonspur mit isolierter Filmmusik und eine kurze Übersicht zu Stanley Kramers Karriere.

 

Blu-ray & DVD Extras:

    • Im Gespräch mit Abby Mann und Maximilian Schell (20 min)
    • Der Wert eines einzelnen Menschen (6 min)
    • Ein Tribut an Stanley Kramer (14 min)
    • Tonspur mit isolierter Filmmusik
    • Original Kinotrailer
    • Deutscher Kinotrailer
    • Trailer zu 4 weiteren Titeln
    • 24-seitiges Booklet

 

Marcs Filmwertung

Eindringliche, um Objektivität bemühte Dramatisierung der Nürnberger Prozesse, die ohne Hollywood-Kitsch auskommt.

Marc

Marc

Cineast bis in die Haarspitzen. Anything goes außer Schweiger & Schweighöfer und Bollywood. Regie-Lieblinge: Fincher, Mann, Scorsese, Coppola, Lynch, die Coens, Tarantino, Cameron, De Palma, P.T. & Wes Anderson, Spielberg.
Beste Serie aller Zeiten: The Wire

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