Die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht
Frankreich | D 2013
FSK: ab 6 Jahren
Länge: ca. 231 Min.
Studio: Edgar Reitz Film
Vertrieb: Concorde Home Entertainment
Filmzine-Review vom 03.08.2014
Jakob Simon (Jan Dieter Schneider) wird von einem einzigen Traum angetrieben: Der wissbegierige Sohn eines Schmieds aus dem Hunsrück-Dorf Schabbach will seine Heimat verlassen und in die Urwälder Brasiliens auswandern. Seine große Liebe Jettchen (Antonia Bill) würde er am liebsten gleich mitnehmen. Auf die Auswanderung bereitet sich Jakob akribisch vor und lernt sogar schon die Sprache der Urwald-Indianer. Doch als sein Bruder Gustav (Maximilian Scheidt) aus dem preußischen Militärdienst entlassen wird und auf den heimischen Hof zurückkehrt, muss Jakob seine Pläne vorerst auf Eis legen…
Mit seinen drei im Hunsrück angesiedelten Heimat-Chroniken hat Edgar Reitz auf nationaler und internationaler Ebene längst TV-Geschichte geschrieben. In Die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht kehrt Reitz ins fiktionale Dörfchen Schabbach zurück und bereichert die Familien- und Stadtchronik in gewohnt epischer Manier um ein weiteres Kaptitel. Angesiedelt im Vormärz, also in den Jahren vor der Märzrevolution von 1848, thematisiert Reitz Armut und Elend einer gewöhnlichen Bauernfamilie vor dem Hintergrund einer ersten großen Auswanderungswelle. Die andere Heimat ist sicherlich alles andere als leichte Kost und die Laufzeit von fast 4 Stunden erfordert Geduld und Konzentration, doch wer diese aufbringt, kann sich an der monumentalen Historien-Saga mit ihren strengen Schwarz-Weiß-Bildkompositionen (mit einigen Farbsprenklern) nicht mehr sattsehen. Neben der inszenatorischen Dichte begeistert besonders das natürliche Spiel der überwiegend unverbrauchten Darsteller, allen voran Jan Dieter Schneider, der sich ursprünglich, für eine Komparsenrolle beworben hatte. Unterm Strich der sehr wahrscheinlich beste deutsche Film seit Hanekes Das weiße Band.
Die Extras zeigen viele Bilder von der Filmpremiere in München mit dem üblichen Schulterklopfen, interessanter sind die Interviews mit Edgar Reitz und den Darstellern sowie der Dialog mit Medienwissenschaftler Thomas Koebner. Das dicke Booklet soll nicht unerwähnt bleiben: Ein kleines Hunsrückisch-Dialektwörterbuch erklärt nicht nur die Bedeutung der „Leckschmier“, sondern widmet sich auch der fiktiven Sprache der Cayucachúa-Indianer.
Marcs Filmwertung
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Leserwertung
Cast & Crew
Schauspieler: Antonia Bill, Jan Dieter Schneider, Marita Breuer, Maximilian Scheidt
Musik: Michael Riessler
Produzent(en): Christian Reitz


