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Fabian oder Der Gang vor die Hunde

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Fabian oder Der Gang vor die Hunde

D 2021

FSK: ab 12 Jahren

Länge: ca. 178 Min.

Vertrieb: LEONINE

Filmzine-Review vom 12.01.2022

Berlin, 1931. Der promovierte Germanist Jakob Fabian (Tom Schilling) verliert seinen unge­liebten Job als Werbetexter für eine Zigarettenfirma. Mit seinem Kumpel Stephan Labude (Albrecht Schuch) zieht er durch die Hauptstadt, die sich im Umbruch zwischen den Spätfolgen des Ersten Weltkriegs und den Vorboten des Zweiten befindet. In der Schauspielerin Cornelia (Saskia Rosendahl) findet er die große Liebe – und verliert dann plötzlich alles…

Erich Kästners Erwachsenenroman über die Weimarer Republik ist in den Händen von Regisseur Dominik Graf (Die geliebten Schwestern) alles andere als ein verschnarchtes Kostüm-Sittengemälde geworden. Fabian oder Der Gang vor die Hunde überfällt den Zuschauer gleich in den ersten Minuten mit einem leicht anstrengenden Bildgewitter aus Handkamera, historischen Aufnahmen, ultraschnellen Schnitten und Verfremdungen, bevor er in etwas ruhigeres Fahrwasser gelangt. Extravagant bleibt es aber über die gesamten drei Stunden Laufzeit. Graf flicht Anachronismen (in einer Szene blicken die Filmfiguren auf die Stolpersteine vor ihrem Haus hinab) ebenso ein wie diverse filmische Stilmittel (Bild-in-Bild-Collagen, Jump Cuts, historische Archivaufnahmen, Zeitungsausschnitte, Stummfilmszenen, Voiceover, ein beengendes 4:3-Format und immer wieder Extrem-Closeups). Die Figuren sind von ihren ganz persönlichen Sehnsüchten getrieben und werden doch immer wieder von der Realität eingeholt, sie suchen den Anstand und finden doch überall nur den Verfall in dem Steinhaufen, der sich Berlin nennt. Aus diesem rastlosen Wechsel zwischen Traum und Rausch, zwischen Ordnung und Chaos ergibt sich ein Kaleidoskop der damaligen Zeit, das zugleich zeitlos ist. Passenderweise feierte Fabian im Sommer 2021 im Open-Air-Kino auf der Museumsinsel anlässlich der Berlinale Premiere – den Berliner Dom und den Fernsehturm am Alex immer im Blick.

 

Blu-ray Extras:

    • Audiokommentar mit Regisseur Dominik Graf
    • Making of (22 min)
    • Hörfilmfassung für Blinde und Sehbehinderte
    • Trailer zu 5 weiteren Titeln
    • Wendecover

 

Ninas Filmwertung

Fulminante Erich-Kästner-Adaption mit etlichen audiovisuellen Kapriolen abseits des Massenkinos.

Nina

Nina

Synchronisationsverweigerin. Steht auf Klassiker und hat eine Schwäche für Hitchcock, James Stewart und Cary Grant. Bevorzugt Independent-Kino und visuell aus dem Rahmen fallende Filme à la Tim Burton oder Wes Anderson.

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