Freud

© Pandastorm Entertainment

Freud

Österreich 2020

FSK: ab 18 Jahren

Länge: ca. 418 Min.

Vertrieb: Edel Germany

Filmzine-Review vom 22.11.2021

Wien 1886: Der junge Arzt Sigmund Freud (Robert Finster) will an der Universität seinen skeptischen Kollegen unbedingt die noch neuen Methoden der Hypnose vorstellen und scheitert auf ganzer Linie. Seinen beruflichen Frust begegnet Freud gerne mit ausgiebigem Kokain-Konsum. Eher zufällig gerät der junge Mediziner in eine bizarre Mordserie, die die oberen Kreise der Stadt erschüttert. Zusammen mit dem im Krieg traumatisierten Polizeiinspektor Alfred Kiss (Georg Friedrich) und dem mysteriösen Medium Fleur Salomé (Ella Rumpf) begibt er sich auf Spurensuche und sticht in ein Wespensnest. Die Verschwörung reicht bis in die höchsten politischen Kreise der untergehenden k.u.k.-Monarchie…

Wer hinter der ersten österreichischen Netflix-Produktion Freud ein hausbackenes Biopic vermutet, das mal eben schnell die Eckdaten des weltberühmten Vaters der Psychoanalyse abklappert, wird wahrscheinlich schnell mit den Ohren schlackern. Der düstere, ab 18 Jahren freigegebene Achtteiler von 4 Blocks-Regisseur Marvin Krem, der seine Wurzeln, wen wundert’s, im Horrorgenre (Rammbock) hat, ist ein überaus morbider Mix aus Thriller und Mystery. Der teils hypnotische Trip in die Abgründe der menschlichen Seele vor der beindruckenden Kulisse des Wiens der Jahrhundertwende orientiert sich dabei offensichtlich an Titeln wie The Alienist (ebenfalls Netflix) oder der blutigen Jack The Ripper-Verfilmung From Hell. Inhaltlich läuft die Geschichte hier und da aus dem Ruder, aber dem Sittengemälde gelingt es, fantastische und übersinnliche Elemente zu betonen, besonders in den oft recht heftigen Schreckensvisionen der mysteriösen Fleur. Diese wird mit viel Hingabe und Leidenschaft von Ella Rumpf verkörpert, die der eine oder andere noch aus dem französischen Bodyhorror-Geheimtipp Raw kennen dürfte. Schauspielerisch am besten schneidet der gewohnt eindringlich agierende Georg Friedrich in der Rolle des Polizisten Alfred Kiss ab – auch wenn dessen Wiener Schmäh ab und zu nach Untertiteln schreit.

Mit einiger Verspätung findet Freud nun doch noch den Weg ins Heimkino. Die Blu-ray verteilt die acht Folgen, die allesamt nach Schlagwörtern aus der Freud’schen Fachterminologie betitelt sind, auf zwei Discs. Mit dem informativen Audiokommentar für die Pilotfolge sowie dem ausführlichen Booklet-Interview mit Regisseur Marvin Kren sind erfreulicherweise einige Extras im Gepäck.

 

Folgen:

  • 01. Hysterie/ 02. Trauma / 03. Somnambul/ 04. Totem und Tabu/ 05. Trieb/ 06. Regression/ 07. Katharis/ 08. Verdrängung

Blu-ray Extras:

    • Audiokommentar zu Folge 1 mit Regisseur Marvin Kren, Drehbuchautor Benjamin Hessler und Filmwissenschaftler Prof. Dr. Marcus Stiglegger
    • Booklet (16 Seiten)
    • Wendecover

 

Marcs Filmwertung

Psycho-Thrill statt Psychoanalyse: Morbides Sittengemälde mit mysteriös-übersinnlichen Elementen.

Marc

Marc

Cineast bis in die Haarspitzen. Anything goes außer Schweiger & Schweighöfer und Bollywood. Regie-Lieblinge: Fincher, Mann, Scorsese, Coppola, Lynch, die Coens, Tarantino, Cameron, De Palma, P.T. & Wes Anderson, Spielberg.
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