Heaven’s Gate

© Capelight Pictures

Heaven’s Gate (Mediabook)

USA 1980

FSK: ab 16 Jahren

Länge: ca. 217 Min.

Vertrieb: Capelight Pictures

Filmzine-Review vom 12.04.2018

USA 1890: In Wyoming wehrt sich eine Vereinigung mächtiger Viehbarone unter der Spitze von Frank Canton (Sam Waterston) gegen den Ansturm deutscher und osteuropäischer Einwanderer, die als Siedler (Homesteader) von der Hand in den Mund leben. Sie veröffentlichen eine Todesliste mit 125 Personen und heuern eine Armee von Scharfschützen an, die die Siedler liquidieren sollen. Zwischen die Fronten gerät der idealistische Gesetzeshüter James Averill (Kris Kristofferson), der sich auf die Seite der Einwanderer stellt. Ebenfalls auf der Todesliste befindet sich Bordellbetreiberin Ella (Isabelle Huppert), in die Averil sich verliebt hat. Doch Ella pflegt ebenfalls eine Beziehung zu Nathan Champion (Christopher Walken), der eigentlich für die Viehbarone arbeitet…

Nachdem Michael Cimino mit dem Vietnam-Drama Die durch die Hölle gehen / The Deer Hunter in Hollywood gleich 5 Oscars einheimste, erhielt das damals hochgelobte Wunderkind für sein nächstes Projekt, den Spätwestern Heavens Gate über den historischen Johnson County War, eine Carte Blanche seitens des produzierenden Studios United Artists. Eine Entscheidung, die das traditionsreiche Studio in den Ruin trieb, denn Cimino und sein Hang zur Gigantomanie wurden der Produktion zum Verhängnis. Der Regisseur überzog Budget und Schnittzeit, ließ aufwendige Bauten aufbauen, um sie im nächsten Moment wieder abzureißen, entwickelte einen Perfektionismus à la Kubrick, drehte Szenen bis zu 50-mal (!) und setzte gegen den Willen des Studios eine mit Ausnahme von Christopher Walken unbekannte Besetzung durch, allen voran Isabelle Huppert, die als weiblicher Lead zu Beginn der Dreharbeiten nur schauderhaftes Englisch sprach. Nach einer desaströsen Premiere in New York und verheerenden Kritiken („ein unqualifiziertes Desaster“) kürzte Cimino auf Druck der Produzenten den Film um ein Drittel von 217 Minuten auf 154 Minuten, doch es war längst zu spät: Heaven’s Gate wurde aufgrund negativer Mundpropaganda zum bis dato größten Flop der Filmgeschichte. In Europa sah man den Western, der nicht mit Sozial- und Kapitalismuskritik spart, deutlich wohlwollender und mittlerweile gilt das Werk längst als Klassiker. Die Stärken des fast vierstündigen Epos sind ohne Frage eine Detailbesessenheit, Authentizität und Atmosphäre (Kamera: Vilmos Zsigmond), die man in diesem Genre so nicht kennt und die locker die Qualität von Filmklassikern wie Der Leopard erreichen. Einige ausufernde Szenen, die Harvard-Zeremonie zu Beginn, die auf Rollschuhen feiernden Siedler, die Rekonstruktion der damaligen aufblühenden Stadt Casper (im Bundesstaat Wyoming) sowie der unausweichliche chaotische Kampf zwischen den Einwanderern und den Killern am Ende sind pure Kino-Magie. Der 2016 verstorbene Michael Cimino hat sich vom Heaven’s Gate-Debakel nie wieder richtig erholt und drehte danach kaum noch bemerkenswerte Filme.

Die bislang weltweit beste Veröffentlichung von Heaven’s Gate fand man bisher einmal mehr beim amerikanischen Filmliebhaber-Label Criterion Collection. Capelight Pictures kann diesen makellosen Release mit dem Mediabook sogar noch toppen. Das Bildmaster mit der von Michael Cimino beaufsichtigten Farbanpassung würde übernommen und garantiert allerhöchste Qualität. Bei den Extras durfte sich der Vertrieb ebenfalls beim Material der Criterion Collection bedienen und konnte dieses sogar um ein emotionales Interview mit Jeff Bridges sowie einen Beitrag mit Kamera-Legende Vilmos Zsigmond erweitern. Einen besseren und hochwertigeren Release hätte man sich für diesen nachhaltig beeindruckenden Spät-Western nicht wünschen können.

 

Blu-ray Extras:

    • Disc 1 – Blu-ray
    • Director’s Cut (217 min)
    • Disc 2 – Blu-ray
    • Recut (154 min)
    • „True Gate“: Interview mit Jeff Bridges (20 min)
    • „Painting Jackson“: County ein Interview mit Vilmos Zsigmond (18 min)
    • Michael Cimino und Joann Carelli über Heaven’s Gate (31 min)
    • Kris Kristofferson über Heaven’s Gate (9 min)
    • David Mansfield über Heaven’s Gate (9 min)
    • Michael Stevenson über Heaven’s Gate (8 min)
    • Die Filmrestauration (3 min)
    • TV Spot
    • Original Kinotrailer
    • 4 Trailer zu weiteren Titeln
    • Disc 3 – DVD
    • Director’s Cut (210 min)
    • 24-seitiges Booklet

 

Marcs Filmwertung

Ein leidenschaftlicher Koloss von einem Film, an dem sich die Geister scheiden. Das Mediabook gehört schon jetzt zu den Blu-ray-Highlights des Jahres.

Marc

Marc

Cineast bis in die Haarspitzen. Anything goes außer Schweiger & Schweighöfer und Bollywood. Regie-Lieblinge: Fincher, Mann, Scorsese, Coppola, Lynch, die Coens, Tarantino, Cameron, De Palma, P.T. & Wes Anderson, Spielberg.
Beste Serie aller Zeiten: The Wire

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