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Mr. Smith geht nach Washington

© Sony Pictures Entertainment

Mr. Smith geht nach Washington (4K UHD)

Mr. Smith Goes to Washington

USA 1939

Länge: ca. 130 Min.

Vertrieb: Sony Pictures Entertainment

Filmzine-Review vom 29.07.2021

Der junge Jefferson Smith aus Colorado (James Stewart) ist politisch ein unbeschriebenes Blatt. Als er in den Senat gewählt wird, erwarten Senator Paine und seine Kollegen daher, dass er ihnen bei einem windigen Staudammbauprojekt, an dem sie sich heimlich bereichern wollen, nicht im Weg stehen wird. Doch da haben sie den Idealismus und das Engagement des Newcomers, der an selber Stelle ein Pfadfindercamp errichten möchte, gehörig unterschätzt. Mit Saunders (Jean Arthur) hat er eine äußerst pfiffige und kompetente Beraterin an seiner Seite, die den Klüngel in Washington allmählich satt hat und Smith zu einem selten genutzten politischen Instrument rät: einer Marathonrede, dem sogenannten Filibuster…

Frank Capra, dem hierzulande unverdientermaßen viel zu wenig Anerkennung zuteil wird, war ein absoluter Ausnahmeregisseur seiner Zeit. Er wurde sogar mit einem eigenen Adjektiv geehrt: bis heute werden Geschichten, bei denen das Gute im Menschen siegt und einfache Leute Großes erreichen, als „capraesk“ bezeichnet. Seine Filme sind zeitlos und vor allem deshalb so gut gealtert, weil es in ihrem Kern um reelle menschliche Emotionen geht, die universelle Gültigkeit haben und sich in jede Zeit übertragen lassen. Und am Ende siegt stets die Hoffnung. So auch bei Mr. Smith geht nach Washington, den die Zensurbehörden 1939 am liebsten verboten hätten, da sie das gute Ansehen der eigenen Regierung im Ausland gefährdet sahen. Damals war man eben noch schockiert ob des Gedanken, Politiker könnten eventuell Dreck am Stecken haben. Doch mit seinem Plädoyer für Gerechtigkeit und Demokratie wollte der aus Sizilien eingewanderte Capra ein Gegen-Statement zum gerade ausgebrochenen 2. Weltkrieg setzen, der sich besonders unter dem speziellen Aspekt des Holocaust so gar nicht mit seinem Welt- und Menschenbild vereinbaren ließ.

Eigentlich sollte Gary Cooper die Hauptrolle übernehmen, war seinerzeit aber an ein anderes Studio gebunden. So kam der junge James Stewart – der Gutmensch per definitionem – an den Part, der ihm seine erste Oscar-Nominierung einbrachte (von insgesamt 11 Nominierungen konnte letztendlich nur das Drehbuch die Wahl für sich entscheiden). Seine Dauerrede, bei der er per Gesetz so lange das Podium behält, wie er etwas zu sagen hat, ist eine wahre Tour de Force. Nach 23 Stunden bricht er heiser, verschwitzt, mit irrem Blick und restlos erschöpft zusammen. Ihm zur Seite steht die geniale Jean Arthur, die mit einer umwerfenden Präsenz und Ausstrahlung jeden Raum, den sie betritt, sofort erhellt.

Mit Mr. Smith geht nach Washington veröffentlicht Sony einen weiteren Einzeltitel aus der Columbia Classic Collection als Einzel-Disc. Das Bild des 4K-UHD-Release ist unfassbar brillant restauriert. Kaum zu glauben, dass das gute Stück schon über 80 Jahre auf dem Buckel hat und zusammen mit Der Zauberer von Oz (ebenfalls von 1939) der bisher älteste auf UHD erhältliche Film ist. Bedauerlicherweise wurden die vielen hochwertigen Extras der Blu-ray-Jubiläumsausgabe nicht übernommen.

 

4K UHD Extras:

    • keine!

 

Ninas Filmwertung

Berührendes und mitreißendes Meisterwerk von Frank Capra mit einem fulminant auftrumpfenden James Stewart.

Nina

Nina

Synchronisationsverweigerin. Steht auf Klassiker und hat eine Schwäche für Hitchcock, James Stewart und Cary Grant. Bevorzugt Independent-Kino und visuell aus dem Rahmen fallende Filme à la Tim Burton oder Wes Anderson.

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