© Bildmaterial Studiocanal

Blood Simple – Director’s Cut

© Studiocanal

Blood Simple (Director’s Cut)

USA 1984

FSK: ab 18 Jahren

Länge: ca. 96 Min.

Studio: Circle Films

Vertrieb: Studiocanal

Filmzine-Review vom 22.11.2017

Julian Marty (Dan Hedaya) ist Inhaber einer zwielichtigen Bar irgendwo in Texas. Seine Frau Abby (eine ganz junge Frances McDormand in ihrem Debut) hat ihn verlassen und ist mit einem seiner Barkeeper (John Getz) durchgebrannt. Vor lauter Eifersucht beauftragt Marty einen schmierigen Privatdetektiv (M. Emmet Walsh) und will die beiden umbringen lassen…

Blood Simple war 1985 der erste Film der Coen-Brüder, die mittlerweile in regelmäßigen Abständen Publikum und Kritiker in Ekstase versetzen und längst anerkannte Regiegrößen des modernen amerikanischen Kinos sind. Der überaus fiese Thriller verfügt schon über die typischen Coen-Merkmale: verschrobener Humor, intelligente Dialoge, bunte Charaktere und einige unvermeidliche Gewaltausbrüche. Die extrem clever konstruierte Story, die sich um Eifersucht, Täuschung und Mord dreht, hat etliche Spannungsmomente mit Anleihen bei Hitchcock und Hollywoods Schwarzer Serie. Das zentrale Element sind falsch verstandene Informationen: Alle vier Hauptcharaktere missdeuten sämtliche Schlüsselsituationen und geraten so in einen Kreislauf der Zerstörung, gleichzeitig weiß der Zuschauer stets mehr und kann im Gegensatz zu den Protagonisten die bitteren Konsequenzen erahnen. Der Director’s Cut von Blood Simple ist nicht etwa eine längere Version, ganz im Gegenteil, der Film wurde von einigen Szenen befreit und ist ein paar Minuten kürzer als die ursprüngliche Kinofassung. Die exquisite, experimentierfreudige Kameraarbeit stammt von Barry Sonnenfeld, der später selbst erfolgreich Blockbuster inszenierte. Nicht von ungefähr erinnern einige Einstellungen, wie etwa der Crash Zoom, an Sam Raimis Evil Dead, bei dem Joel Coen beim Schnitt mitgeholfen hat. Auch beim Soundtrack bewiesen die Coens Gespür für Talent: Komponist Carter Burwell gehört längst zur Crème de la Crème Hollywoods und Blood Simple war der Auftakt einer langen Zusammenarbeit mit den Brüdern.

Auf DVD war die Bildqualität dieses Neo Noir-Klassikers von überschaubarer Qualität. Bei der neuen aufwendig restaurierten Blu-ray (4K remastered) wurde das Filmmaterial von Ethan und Joel Coen persönlich angenommen und freigegeben. Der Aufwand hat sich gelohnt, denn das neue Bild überzeugt jetzt nicht nur in den zahlreichen Nachtaufnahmen, sondern liefert auch bei den Close-Ups der meist verschwitzten Gesichter hervorragende Details. Das Bonusmaterial erreicht nicht ganz die Klasse und den Umfang der US Criterion Collection, wenngleich die erst kürzlich aufgenommen Interviews mit M. Emmet Walsh, John Getz, Frances McDormand und den Coens allesamt lohnenswert sind. Dass Blood Simple nach wie vor das FSK 18-Siegel trägt, ist natürlich ein schlechter Witz. Man darf davon ausgehen, dass dem Vertrieb eine Neubewertung des Films schlichtweg zu teuer war.

 

Marcs Filmwertung

Gemeines, erstklassiges Thrillerdebut der Coen-Brüder in hochwertig restaurierter Neuauflage.

Marc

Marc

Cineast bis in die Haarspitzen. Anything goes außer Schweiger & Schweighöfer und Bollywood. Regie-Lieblinge: Fincher, Mann, Scorsese, Coppola, Lynch, die Coens, Tarantino, Cameron, De Palma, P.T. & Wes Anderson, Spielberg.
Beste Serie aller Zeiten: The Wire

Alle Reviews anschauen

Leserwertung

Eure Leserwertung:

Trailer

Dieses Video ansehen auf YouTube.
Klick auf das Video-Vorschaubild stellt eine Verbindung zu YouTube her und setzt YouTube-Cookies auf Deinem Rechner. (Weitere Datenschutzinfos.)

Cast & Crew

Diese DVD/Blu-ray wurde uns vom Vertrieb Studiocanal kostenlos zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt. Unsere Bewertung ist davon jedoch nicht beeinflusst und gibt die unabhängige, persönliche Meinung des jeweiligen Rezensenten wieder.
Share This Post On

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.