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Der Hauptmann

© Weltkino

Der Hauptmann

Deutschland / Frankreich / Polen 2017

FSK: ab 16  Jahren

Länge: ca. 119 Min.

Vertrieb: Universum Film / Weltkino

Filmzine-Review vom 26.09.2018

Norddeutschland, kurz vor Kriegsende im April 1945. Auf der Flucht vor den Feldjägern kann der Deserteur Willi Herold (Max Hubacher) in letzter Sekunde fliehen. Als der Gefreite in einem verlassenen Militärfahrzeug eine Hauptmannsuniform findet, fackelt er nicht lange und zieht sie sich an. Mit seiner gefälschten Identität versammelt er in Windeseile mehrere Soldaten versprengter Einheiten (Milan Peschel, Frederick Lau) um sich. Selbst in einem Strafgefangenenlager mit anderen Offizieren fliegt seine Charade nicht auf. Ganz im Gegenteil, Herold findet Gefallen an seiner neuen Rolle und schreckt und auch vor tödlichen Befehlen nicht zurück…

Im Rennen um die Auswahl für den deutschen Auslands-Oscarbeitrag für den besten nicht-englischsprachigen Film 2019 kam Der Hauptmann letztendlich nicht an Werk ohne Autor von Florian Henckel von Donnersmarck vorbei, trotzdem sahnte der Kriegsfilm international und national diverse Preise ab, u.a. wurde Kameramann Florian Ballhaus für seine stimmigen Schwarz-Weiß-Kompositionen mit dem Deutschen Kamerapreis ausgezeichnet. Regisseur Robert Schwentke kehrte nach vielen Jahren in Hollywood – mit guten (Flightplan) und weniger guten (R.I.P.D.) Blockbustern – für dieses Projekt wieder nach Deutschland zurück und liefert seine bis dato beste Arbeit ab. Die auf wahren Ereignissen beruhende Geschichte – der echte Willi Herold und seine Truppe erschossen im Strafgefangenenlager Aschendorfermoor im Emsland weit über 100 Gefangene – ist sicherlich schwer zu ertragende Kost, zeigt aber auf beängstigende Weise die Machtstrukturen und das Obrigkeitsdenken in den letzten Tagen der Nazi-Herrschaft, in der ein ebenso dreister wie skrupelloser, knapp 20-jähriger Blender mit erfundenem „Führerbefehl von ganz oben“ aufgrund einer Offiziersuniform seine Untergebenen zum Massenmord anstacheln konnte.

Die Blu-ray enthält neben einer Hörfilmfassung für Sehbehinderte auch ein umfangreiches Angebot an Extras, wie z.B. Interviews mit den Darstellern und ein zweiteiliges „Hinter den Kulissen“. Weitere historische Infos zu diesem düsteren Kapitel deutscher Geschichte liefert die hervorragende Dokumentation „Der Hauptmann von Muffrika – Eine mörderische Köpenickiade“, die auf DVD erhältlich ist.

 

Blu-ray Extras:

    • Hinter den Kulissen (zweiteilig, 17 min)
    • Unveröffentlichte Szene (3 min)
    • Interviews (27 min)
    • Storyboard-Film-Vergleich (4 min)
    • Soundtrack-Video
    • Featurette „Die Entstehung der Wurzel“ (5 min)
    • Kinotrailer
    • 10 Trailer
    • Wendecover

 

Marcs Filmwertung

Schockierender, auf wahren Ereignissen beruhender Mix aus Faschismus-Studie und Kriegsfilm über den „Henker vom Emsland“.

Marc

Marc

Cineast bis in die Haarspitzen. Anything goes außer Schweiger & Schweighöfer und Bollywood. Regie-Lieblinge: Fincher, Mann, Scorsese, Coppola, Lynch, die Coens, Tarantino, Cameron, De Palma, P.T. & Wes Anderson, Spielberg.
Beste Serie aller Zeiten: The Wire

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