Grizzly Man

© Universum Film

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Grizzly Man

USA 2005

FSK: ab 12 Jahren

Länge: ca. 103 Min.

Studio: Lion’s Gate Films

Vertrieb: Universum Film

Filmzine-Review vom 18.11.2006

13 Sommer verbrachte Grizzly Man Timothy Treadwell mit seinen geliebten Bären in Alaska. Der Tierschützer lebte friedlich mit und unter ihnen, kannte jeden einzelnen. Im Herbst 2003 starben er und seine Freundin Amie beim Angriff eines ihnen unbekannten Grizzlys. Tragischerweise kehrten die beiden nur zufällig wegen Problemen am Flughafen nach dem Ende ihrer eigentlichen Expedition noch einmal ins Reich der Bären zurück. Ihre vertraute Sippe hielt bereits Winterschlaf, der mutmaßliche Angreifer war ein „fremder“ Bär, der entweder auf die forsche Art des Tierfilmers wie ein normales Raubtier reagierte oder schlicht und einfach auf Nahrungssuche war.

Werner Herzog hat für seine Doku verschiedene Ausschnitte von Treadwells eigenem faszinierendem Filmmaterial mit Interviews von Freunden, Bekannten, aber auch Kritikern des verrückten Tiernarrs kombiniert. Mehrmals hört man die Aussage, Treadwell wünschte sich, selbst ein Bär zu sein, fühle sich in der Menschenwelt unverstanden und verherrlichte die Bärenwelt auf naive und sentimentale Weise. In der Tat macht der Grizzlyfreund in etlichen Aufnahmen einen leicht durchgeknallten Eindruck. So bricht er bei den Liebesschwüren an seine Tiere in Tränen aus, fordert bei sämtlichen Göttern der Welt vehement Regen ein, damit seine Freunde wieder Lachs jagen können (eins muss man ihm lassen – es folgt ein wahrhafter Wolkenbruch), und schimpft sich regelrecht in Rage über die Ranger der Nationalparks und ihre Regeln. Seiner Euphorie, die ihn in jedem Tier einen Freund und in einem Haufen frischen Bärendungs ein Geschenk des Himmels erkennen lässt, steht die nüchterne und sachliche Betrachtungsweise Werner Herzogs gegenüber, der in seinem Kommentar das Verhältnis zu den Bären ganz anders deutet: in den Augen des Grizzlys erkennt er keinerlei Sympathie oder Anerkennung gegenüber dem Menschen, sondern sieht den leeren Blick eines Raubtiers, das bestenfalls an Nahrung interessiert ist. Nichtsdestotrotz sind die Aufnahmen des engen Beisammenseins von Bär und Mensch oder die Zutraulichkeit einer ganzen Schar Füchse, neben deren Bau Treadwell Jahr für Jahr campiert, in höchstem Maße beeindruckend. In einer kurz vor seinem Tod entstandenen Videoaufnahme betont Treadwell mehrmals den gefährlichen Aufstellort seines Zelts, das er nicht weithin sichtbar für die Bären sondern versteckt im Unterholz aufgeschlagen hatte. Aus diesem und vielen anderen seiner Statements spricht eine angesichts des Vorfalls grausame Ironie, denn dieser „most dangerous place on the planet“ sollte ihm tatsächlich zum Verhängnis werden.

Während die US-Version der DVD ein fast einstündiges Feature zur Entstehung der improvisierten Filmmusik sowie zahlreiche Trailer bietet, muss man sich beim deutschen Release mit einem lumpigen Original-Kinotrailer zufrieden geben.

 

Ninas Filmwertung

Der mit dem Bären tanzt: bewegende Doku von Werner Herzog.

Nina

Nina

Synchronisationsverweigerin. Steht auf Klassiker und hat eine Schwäche für Hitchcock, James Stewart und Cary Grant. Bevorzugt Independent-Kino und visuell aus dem Rahmen fallende Filme à la Tim Burton oder Wes Anderson.

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