Capote

© Sony Pictures Home Entertainment

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Capote

USA 2005

FSK: ab 12 Jahren

Länge: ca. 110 Min.

Studio: United Artists

Vertrieb: Sony Pictures Home Entertainment

Filmzine-Review vom 28.08.2006

In dem kleinen Südstaatennest Holcomb wird die Farmerfamilie Clutter in ihrem eigenen Haus brutal ermordet. Die Greueltat erregt die Aufmerksamkeit von Schriftsteller Truman Capote (Philip Seymour Hoffman), der für das Magazin The New Yorker über den Vorfall berichten will. Vor Ort in der Provinz wird ihm schnell klar, dass die Geschichte weitaus mehr Potential birgt: er will sie zum Thema seines nächsten Buches machen. Die Einwohner der Kleinstadt sowie die inzwischen gefassten Mörder sollen ihm dabei wertvolle Hintergrundinfos liefern…

Mit seinem 1966 erschienenen, erfolgreichsten Werk „Kaltblütig“ konzipierte US-Schriftsteller Truman Capote ein völlig neues Literaturgenre: den Tatsachenroman. Der ehrgeizige Egozentriker gewann zu diesem Zweck das Vertrauen der beiden Mörder und baute besonders zu Perry Smith (Clifton Collins Jr.) über Jahre hinweg eine enge Bindung auf. Er konnte nicht riskieren, die beiden durch das verhängte Todesurteil vorzeitig zu verlieren und bemühte sich um Berufung und nutzte die so gewonnene Zeit für seine Recherchen. Mit genau diesem Zeitraum von knapp 6 Jahren beschäftigt sich Bennett Millers Debüt Capote und porträtiert den Autoren als eingebildeten Fatzke, der sich mit Fistelstimme und Überheblichkeit in den Mittelpunkt jeder gesellschaftlichen Veranstaltung drängt. Stets auf den eigenen Erfolg bedacht, zeigt sich Capote trotz gegenseitiger Sympathien bereit, die beiden Männer, die all ihre Hoffnung in ihn setzen, für seine Zwecke zu belügen und zu verraten. Von den Tätern fasziniert, doch von der Tat abgestoßen, besteht sein innerer Konflikt darin, dass er beginnt, Gefühle für Perry Smith zu entwickeln, aber auf der anderen Seite auf die Hinrichtung angewiesen ist, um ein Ende für sein Buch zu finden. Er entdeckt Parallelen in Smiths und seiner Kindheit; seiner besten Freundin und Verbündeten Nelle Harper Lee gegenüber spricht er jedoch aus, was er wirklich in dem Verurteilten sieht: „er ist eine Goldmine“. Der Film spielt mit den Sympathien der Zuschauer: genau wie die Todeskandidaten lässt man sich von Capotes scheinbar gut gemeinten Aktionen (er besorgt ihnen einen besseren Anwalt und besucht sie regelmäßig) einwickeln und beginnt gleichzeitig paradoxerweise so etwas wie Mitleid für die Mörder zu empfinden. Das zwiespältige Bild, das Philip Seymour Hoffman als teils mitfühlender, teils berechnender Capote abgibt, wird durch die von Catherine Keener großartig verkörperte Harper Lee ein wenig ausgewogen, die zu besagter Zeit mit „Wer die Nachtigall stört“ ihren größten Erfolg feiert. Sie holt ihren exzentrischen Freund stets auf den Boden der Tatsachen zurück und ist der Ruhepol in seinem bewegten Leben, in das Capote einen bewegenden, aber auch schonungslosen Einblick

bietet.
Mit welch unglaublicher Perfektion Oscar-Gewinner Philip Seymour Hoffman die Nachahmung des Literaten in Stimme, Intonation und Mimik gelingt, weiß wohl nur zu würdigen, wer einmal ein Interview mit Truman Capote gesehen hat. Gelegenheit dazu bietet das kurze Feature \“Erhörte Gebete\“. Weitere Einblicke, angefangen von der Konzipierung des Films mit ungewöhnlichen Farbvorgaben (es durfte kein Blau und kein Rot verwendet werden) bis hin zu den größtenteils in Kanada abgeschlossenen Dreharbeiten zeigt das zweiteilige und äußerst interessante Making of.

 

Ninas Filmwertung

Schonungsloses Psychogramm eines Ausnahme-Schriftstellers – eindrucksvoll be- und umgesetzt.

Nina

Nina

Synchronisationsverweigerin. Steht auf Klassiker und hat eine Schwäche für Hitchcock, James Stewart und Cary Grant. Bevorzugt Independent-Kino und visuell aus dem Rahmen fallende Filme à la Tim Burton oder Wes Anderson.

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Cast & Crew

Diese DVD/Blu-ray wurde uns vom Vertrieb Sony Pictures Home Entertainment kostenlos zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt. Unsere Bewertung ist davon jedoch nicht beeinflusst und gibt die unabhängige, persönliche Meinung des jeweiligen Rezensenten wieder.
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