Der letzte Mohikaner

© Warner Home Video

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Der letzte Mohikaner

The Last of the Mohicans

USA 1992

FSK: ab 16 Jahren

Länge: ca. 107 Min.

Studio: Morgan Creek Productions

Vertrieb: Warner Home Video

Filmzine-Review vom 21.11.2001

Nordamerika 1757, bei einem Überfall der Huronen, die im Kolonialkrieg an der Seite der Franzosen gegen die Briten kämpfen, können Chingachgook (Russell Means) und sein Adoptivsohn Hawkeye (Daniel Day-Lewis) die beiden Töchter eines Colonels retten. Trotz der Kriegswirren entwickelt sich dabei eine Liebesgeschichte zwischen Hawkeye und Cora (Madeleine Stowe)…

Michael Manns Der letzte Mohikaner ist eine der ersten werkgetreuen Verfilmungen der gleichnamigen Erzählung des amerikanischen Autors James Fenimore Cooper. In akribischer Detailversessenheit entwarf Regisseur Mann (Heat, The Insider) ein präzises Portrait dieser Epoche. Angesiedelt zur Zeit der französisch-indianischen Kriege wird auch mit der Zivilisationskritik an den beiden Kolonialmächten England und Frankreich nicht gespart. Indianerstämme und einheimische Siedler wurden in erster Linie für die jeweiligen landeswirtschaftlichen Interessen ohne Rücksicht auf Verluste ausgenutzt. Dementsprechend brutal sind die zahlreichen Schlachten im Film ausgefallen, ähnlich wie in Der Patriot geht es stellenweise unglaublich brutal zur Sache. Neben der hochspannenden Handlung wirkt erfreulicherweise auch die Liebesgeschichte nicht aufgesetzt oder kitschig, sondern verleiht dem Ganzen ein Extramaß an Dramatik. Die schauspielerischen Leistungen sind ausgezeichnet, Daniel Day-Lewis (Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins), der ansonsten eigentlich immer auf die Rolle des intellektuellen Feingeistes abonniert ist, bewährt sich mühelos auf ungewohntem Terrain. Die oft zitierte Chemie zwischen ihm und Madeleine Stowe ist an jeder Stelle des Films förmlich spürbar und lässt die Romanze in einem glaubwürdigen Licht erscheinen. Grandios agieren aber auch die indianischen Darsteller, Wes Studi spielt den bösen Magua trotz all seiner Grausamkeit stets würdevoll und Russell Means steht ihm als Mohikaner-Häuptling in nichts nach. Einen nicht unwesentlichen Anteil an der Klasse des Films hat die Filmmusik, ein Aspekt der häufig nicht genügend gewürdigt wird. Bei Der letzte Mohikaner waren mit Trevor Jones und Randy Edelman gleich zwei hervorragende Komponisten am Werk, erstgenannter musste nach künstlerischen Differenzen mit dem Regisseur die Koffer packen, sein Einfluss ist dennoch unverkennbar. Besonders im Schlussviertel, das im übrigen fast völlig auf Dialoge verzichtet, sorgt der musikalische Score für permanente Gänsehaut. Formal überragend sind neben Ausstattung und Musik auch die majestätischen Bilder von Kameramann Dante Spinotti, die fast an die großen alten Hollywood-Epen erinnern.

Glücklicherweise hat Warner Brothers die DVD im Rahmen der „Nice Price“-Reihe veröffentlicht, d.h. die Scheibe sollte überall nur um die 30 DM kosten. Da kann man dann auch über die magere Ausstattung hinwegsehen, die aus dem Originaltrailer und einer Musiktonspur besteht. Letztere ist für Freunde anspruchsvoller Filmmusik allerdings eine wahre Wonne! Technisch gibt es an der Umsetzung wenig zu beanstanden: das Bild verfügt über prächtige Farben und eine hohe Detailgenauigkeit, die 5.1-Tonspur ist stets auf der Höhe des Geschehens, ob Kanoneneinschlag oder Musketenschuss, es donnert gewaltig.

 

Marcs Filmwertung

Bildgewaltiges, packendes Edel-Drama mit wunderschöner Filmmusik.

Marc

Marc

Cineast bis in die Haarspitzen. Anything goes außer Schweiger & Schweighöfer und Bollywood. Regie-Lieblinge: Fincher, Mann, Scorsese, Coppola, Lynch, die Coens, Tarantino, Cameron, De Palma, P.T. & Wes Anderson, Spielberg.
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