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Der Pate

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Der Pate (Trilogie 1-3) (4K Remastered)

The Godfather

USA 1972 – 1989

FSK: ab 16 Jahren

Länge: ca. 534 Min.

Vertrieb: Paramount Home Entertainment

Filmzine-Review vom 04.05.2022

Heute ist es kaum vorstellbar, aber Der Pate galt seinerzeit als höchst riskantes Projekt. Zwar hatte Regisseur Francis Ford Coppola zuvor einen Drehbuch-Oscar für Patton erhalten, war aber noch ein relativ unbeschriebenes Blatt, der allerdings keine Probleme hatte, seine Forderungen bei seinen Geldgebern durchzuboxen. Einmal pro Woche wollte Paramount den jungen Coppola feuern, u.a. weil er das Budget von 2,5 auf 6,5 Millionen Dollar aufstockte, mit Vehemenz den abgehalfteren Marlon Brando (anstelle von Charles Bronson) zum Paten Don Vito machte und zudem den unbekannten 31-jährigen Al Pacino in einer gewichtigen Rolle besetzte. Der Rest ist natürlich längst Geschichte: Der Film erhielt 3 Oscars, spielte über 240 Millionen Dollar ein und überflügelte somit den bisherigen Dauerspitzenreiter Vom Winde verweht. Coppola wurde mit Der Pate unsterblich und konnte den Triumph 2 Jahre später sogar noch wiederholen, diesmal mit 6 Oscars und weiteren 5 Nominierungen.

Der Pate (1972)  (5/5 Sterne)

Pate Don Vito Corleone (Marlon Brando) ist das Oberhaupt einer der fünf herrschenden „Familien“ New Yorks. Doch die Zeiten ändern sich: Während seine Konkurrenten das lukrative Drogengeschäft mit auf die Tagesordnung nehmen wollen, hält Vito an alten Geschäftsmodellen fest. Nach einem Anschlag auf sein Leben muss Corleones Lieblingssohn Michael (Al Pacino), ein hochdekorierter Kriegsheld, eher widerwillg die „Familie“ übernehmen…
Coppola inszenierte die Geschichte nach der Vorlage von Mario Puzo in ausufernd epischer Breite und erfand das Genre des Gangsterfilms komplett neu. Das organisierte Verbrechen hat seinen Ursprung nun in den besten gesellschaftlichen Kreisen und so wechselt der Film geschickt zwischen der herzlichen Atmosphäre famliärer Aktivitäten (z.B. in der Hochzeitsszene zu Beginn) und den brutalen Auseinandersetzungen zwischen den Verbrecher-Clans. Viele Szenen haben längst Kinogeschichte geschrieben: Der abgetrennte Pferdekopf, der einem nicht-kooperierenden Hollywood-Produzenten ins Bett gelegt wird, James Caan, der in wüster Bonnie und Clyde-Manier von Maschinengewehren niedergemäht wird, Al Pacino, der bei seiner Killerpremiere eiskalt einen korrupten Polizei-Captain und einen Mafiakonkurrenten erschießt. Und natürlich die stilprägende Parallelmontage im großen Finale, bei dem Coppola Szenen der Taufzeremonie von Michaels Kind und die gnadenlose Abrechnung seiner Feinde brillant gegeneinander schneidet.

Der Pate 2 (1974)  (5/5 Sterne)

Mit unbarmherziger Härte übernimmt Michael die Geschäfte der Corleones. Dank eines Business-Deals mit dem einflussreichen Hyman Roth (Lee Strasberg) erhält er in Kuba Beteiligungen an Casinos. Schwächen in seiner eigenen Famile duldet er nicht, auch nicht bei seinem labilen Bruder Fredo (John Cazale), dem er das Casino-Geschäft übertragen hat…
Dass Fortsetzungen nicht immer ausschließlich eine Sache des Geldes sind und mitunter die Qualität des Originals nochmal steigern können, beweist Der Pate 2 mit Nachdruck. Brillant vermischt Coppola in zwei Zeitebenen den Aufstieg des jungen Vito Corleone (Robert De Niro), der als Waise aus Sizilien nach New York fliehen musste, mit dem Zerfall der Corleone-Familie mit Al Pacino als zunehmend gefühlskaltem Patriarchen. De Niro erhielt für seinen Part als junge Version des von Marlon Brando verkörperten Padrone verdientermaßen seinen ersten Oscar. Weitere Trophäen gab es für Regie, Kamera, Drehbuch, Ausstattung und Musik.

Der Pate: Der Tod von Michael Corleone – Epilog (1990)  (4/5 Sterne)

Ein ergrauter Michael Corleone will sich aller illegalen Aktivitäten entledigen und sich langsam zurückziehen. Als er jedoch mit Hilfe der Vatikan-Bank sein Finanzimperium erweitern will, gerät er erneut in blutige Machtkämpfe. Sein aufbrausender Neffe Vincent (Andy Garcia) könnte dabei sein Erbe antreten….
Der Pate 3 ist und bleibt das schwarze Schaf der Trilogie. Diesen Status ändert auch nicht die neue, von Francis Ford Coppola angefertigte Schnittfassung, die das Werk sogar um einige Minuten kürzt und die Reihenfolge einiger Szenen neu anordnet. Coppola inszeniert zwar wieder auf hohem Niveau und kann auf die Unterstützung alter Weggefährten (u.a. Gordon Wills hinter der Kamera) bauen, doch der Funke will nicht so recht überspringen. An der Besetzung liegt es nicht: Joe Mantegna und Eli Wallach sind tolle Gegenspieler und Sofia Coppola ist als Töchterchen Mary längst nicht so mies wie gerne kolportiert wird. Das tragische Finale an der Oper von Palermo entschädigt für die eine oder andere Länge.

Pünktlich zum 50. Geburtstag der Mafia-Saga erscheint der Meilenstein der Filmgeschichte dank einer neu restaurierten Fasung in der bestmöglichen Version. Das Nonplusultra ist die Premiere im 4K UHD-Format mit einer atembereaubenden Schärfe, die die Reihe in neuem Glanz erstrahlen lässt. Wer nicht ganz so tief ins Portemonnaie greifen möchte, wird aber auch mit der remastered Blu-ray-Collection bestens bedient. Neben den bereits bekannten Extras der urprünglichen Veröffentlichung kann man zusätzlich durch diverse neue Features stöbern, die den Schwerpunkt auf den Restaurationsprozess legen.

 

Blu-ray Extras:

  • Neu:

    • Einführung in „Der Pate“ durch Francis Ford Coppola
    • Preserving The Godfather – Die Archivare von Paramount Pictures dokumentieren den unglaublichen Restaurationsprozess und zeigen anhand von Archivmaterial die Evolution des Films über den Verlauf der vergangenen Jahrzehnte, in denen die technologischen Standards von Bild- und Tontechnik Quantensprünge erlebt haben.
    • Capturing the Corleones: Through the Lens of Photographer Steve Schapiro — In dieser ehrlichen Diskussion teilt Fotograf Steve Schapiro seine einzigartige Perspektive und hoch geschätzten Erinnerungen als Zeitzeuge des Entstehungsprozesses dieses bahnbrechenden Films. Seine Kommentare zu ausgewählten Archivaufnahmen geben faszinierende, nie gesehene Einblicke in die Geschichte der Produktion.
    • The Godfather: Home Movies – Eine Sammlung von 8mm Amateurfilm-Sequenzen bieten besondere Einblicke in die Produktion von Der Pate im Jahre 1971. Dies ist das erste Mal, dass Filmaufnahmen vom Set am Norton-Familiensitz in Emerson Hill (Staten Island) veröffentlicht werden.
    • Restoration Comparisons – „Vorher-nachher“-Vergleiche einzelner Szenen, welche die umfangreiche Verbesserung der Bildqualität in Der Pate zeigen.

     

    • Bereits veröffentlicht
      ⦁ Ein Meisterwerk, das fast keines war
      ⦁ Die Welt des Paten
      ⦁ Rettung durch Filmemulsion – Der Pate neu entdeckt
      ⦁ Als die Dreharbeiten beendet waren
      ⦁ Der Pate auf dem roten Teppich
      Vier Kurzfilme über „Der Pate“:
      ⦁ „Der Pate“ gegen „Der Pate Teil II“
      ⦁ Verschiedene Betrachtungsweisen
      ⦁ Cannoli
      ⦁ Clemenza
      ⦁ Der Familienstammbaum
      ⦁ Die Organisation
      ⦁ Connie und Carlos Hochzeitsalbum
      Hinter den Kulissen:
      ⦁ Ein Blick ins Innere
      ⦁ Vor Ort
      ⦁ Francis Ford Coppolas Notizbuch
      Die Musik von Der Pate:
      ⦁ Nino Rota
      ⦁ Carmine Coppola
      ⦁ Coppola & Puzo über das Drehbuchschreiben
      ⦁ Gordon Willis über das Filmen
      ⦁ Storyboards – Der Pate Teil II
      ⦁ Storyboards – Der Pate Teil III
      ⦁ Der Pate – Hinter den Kulissen 1971
      Zusätzliche Szenen:
      ⦁ Szenen (1901–1927)
      ⦁ Szenen (1945)
      ⦁ Szenen (1947–1955)
      ⦁ Szenen (1958–1979)
      ⦁ Galerien
      ⦁ Originaltrailer
      ⦁ Fotogalerien
      ⦁ Verbrecher-Galerie
      ⦁ Auszeichnungen und Echo
      Zusatzmaterial:
      ⦁ James Caan Kameratest
      ⦁ Die Sopranos
      ⦁ Puzo „Wegen des Geldes“
      ⦁ Der Pate rund um die Welt
      ⦁ Cosa Nostra & Coppola
      ⦁ Die Filmemacher Francis Ford Coppola, Mario Puzo, Gordon Willis, Dean Tavoularis, Nino Rota, Carmine Coppola
      ⦁ Die „Pate-Chronologie“
      ⦁ Credits

     

    Marcs Filmwertung

    Zum 50. Geburtstag erscheint eines der größten Meisterwerke der Filmgeschichte in der ultimativen Sammler-Edition: Ein Muss für alle Cineasten, Nachwuchs-Paten und Möchtegern-Mafiosi.

    Marc

    Marc

    Cineast bis in die Haarspitzen. Anything goes außer Schweiger & Schweighöfer und Bollywood. Regie-Lieblinge: Fincher, Mann, Scorsese, Coppola, Lynch, die Coens, Tarantino, Cameron, De Palma, P.T. & Wes Anderson, Spielberg.
    Beste Serie aller Zeiten: The Wire

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