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Lords of Chaos

© Studio Hamburg Enterprises

Lords of Chaos

UK, Schweden, Norwegen 2018

FSK: ab 18 Jahren

Länge: ca. 117 Min.

Vertrieb: Studio Hamburg Enterprises

Filmzine-Review vom 24.04.2019

In den 1980er und 1990er Jahren entsteht in Norwegen die Black-Metal-Bewegung. Einer ihrer Begründer, Øystein „Euronymous“ Aarseth, will mit seiner Band Mayhem seinem spießigen Elternhaus den Rücken kehren und die fromme Gesellschaft das Fürchten lehren. Was folgt, sind chaotische Zustände, bei denen Selbstmord, Brandstiftung und Gewaltverbrechen an der Tagesordnung stehen und die Euronymous (Rory Culkin) bald selbst nicht mehr unter Kontrolle hat…

Jonas Åkerlund, der sich bisher überwiegend als begehrter Musikvideo-Regisseur einen Namen gemacht hat (u.a. Rammstein, Beyoncé, Madonna), greift in Lords of Chaos ein spannendes und kontroverses Stück Musikgeschichte auf, bei dem es sich zwar um ein Randgruppen-Phänomen handelte, das aber dennoch weitreichende Konsequenzen hatte: etliche Kirchen Norwegens wurden abgefackelt, darunter auch die berühmte Stabkirche von Fantoft aus dem 13. Jahrhundert. Mit diesen Aktionen und einem generell provokanten Auftreten und Kokettieren mit Satanismus wollte die Szene auf sich aufmerksam machen, schockieren und anecken. Es soll ja auch heute noch Bands geben, die mit kalkulierter Marketing-Provokation Erfolg haben (siehe oben). Gespielt wird Euronymous von Rory Culkin, der hier eine 1a-Performance abliefert und den Bandleader als geltungssüchtigen, arroganten Waschlappen spielt, dem seine bösen Worte, die wie er selbst zugibt, doch nur leeres Gerede sind, irgendwann über den Kopf wachsen. Die Geister, die er rief, wird er nicht mehr los und seine Bandmitglieder sind nicht mehr zu kontrollieren. Per „Dead“ Yngve Ohlin, der sich bei Konzerten gern die Pulsadern aufschneidet, begeht Selbstmord, Bård G. Eithun ermordet einen Homosexuellen und Varg Vikernes zündet eine Kirche nach der nächsten an – und ermordet schließlich auch seinen Mentor Euronymous, da zwischen den beiden ein erbitterter Konkurrenzkampf ausgebrochen war. Der Mord sollte der Szene ein jähes Ende bereiten.

Da wahrscheinlich niemand außer den Beteiligten selbst die genauen Vorkommnisse kennt und man ohnehin kaum zwischen Wahrheit und Legende unterscheiden kann, nimmt sich Åkerlund wohl etliche erzählerische Freiheiten – auf dem Cover wird dies recht treffend formuliert: „Based on truth and lies and what actually happened“. Bei den Gewaltdarstellungen eskaliert er dann allerdings ziemlich. Der Suizid ist ebenso schwer zu ertragen wie die beiden überaus brutalen Morde. Euronymous wird mit 23 Messerstichen getötet und jeder einzelne wird in Vollendung gezeigt. Ob diese expliziten Darstellungen unbedingt nötig waren, zumal wir es hier  nicht mit einem Horrorfilm zu tun haben, darf hinterfragt werden. Auch gruselig: Wilson Gonzalez Ochsenknecht darf seine Hackfresse ab und an in die Kamera halten, allerdings meist nichts sagen.

Wer sich noch weiter mit der Materie beschäftigen möchte: die Doku Until the Light Takes Us aus dem Jahr 2008 beschäftigt sich mit genau dieser Epoche und lässt zahlreiche Zeitzeugen, darunter auch die Mayhem-Truppe, zu Wort kommen.

 

Blu-ray Extras:

keine

Ninas Filmwertung

Halb erfundener, halb wahrer Einblick in die norwegische Black-Metal-Szene – genial gespielt und umgesetzt, vor expliziter Gewaltdarstellung muss allerdings gewarnt werden.

Nina

Nina

Synchronisationsverweigerin. Steht auf Klassiker und hat eine Schwäche für Hitchcock, James Stewart und Cary Grant. Bevorzugt Independent-Kino und visuell aus dem Rahmen fallende Filme à la Tim Burton oder Wes Anderson.

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