München

© Universal Pictures

© Universal Pictures

München

Munich

USA 2005

FSK: ab 16 Jahren

Länge: ca. 157 Min.

Studio: Dream Works | Universal Pictures

Vertrieb: Universal Pictures

Filmzine-Review vom 07.08.2006

Bei den Olympischen Spielen 1972 in München nimmt die palästinensische Terrorgruppe

Schwarzer September 11 israelische Sportler gefangen. Auf dem Flughafen Fürstenfeldbruck endet

die Geiselnahme für die Terroristen und Israelis tödlich. Als Reaktion auf den Anschlag stellt

Ministerpräsidentin Golda Meir ein Team um den jungen Mossad-Agenten Avner (Eric Bana)

zusammen, das die Drahtzieher ausfindig machen und eliminieren soll. Eine Hetzjagd quer durch

Europa beginnt…

Als Vorlage für Spielbergs kontrovers aufgenommenen Thriller München diente der

1984 erschienende Tatsachenbericht „Die Rache ist unser“ von dem Journalisten George Jonas.

Angeblich soll das Buch nicht allzu genau mit historischen Fakten umgegangen sein, gerade

diese Nachlässigkeit wird nun Spielbergs Film angelastet. Zu Unrecht wohlgemerkt.

München hat als fiktive Geschichte gar nicht den Anspruch auf historische Genauigkeit,

sondern sieht sich lediglich „inspiriert von wahren Ereignissen“, wie es auch im Vorspann heißt.

Bewusst verzichtet Spielberg ebenfalls auf eine parteiische oder einseitige Betrachtung aus

jüdischer Sicht, was ihm ebenfalls viel Kritik seitens der jüdischen Gemeinde einbrachte.
Im Mittelpunkt der Thrillerhandlung mit zahlreichen detailliert dargestellten und virtuos inszenierten

Anschlägen auf die Hintermänner des Attentats steht natürlich die Frage, mit welchen Mitteln sich

ein demokratisch geführter Staat gegenüber Terrorgruppen wehren darf. Dem israelischen

Killerkommando wird jedenfalls mit jedem neuen Mord klar, dass sie sich zur Rechtfertigung ihrer

Taten keinesfalls auf eine moralische Überlegenheit berufen können. Unter dieser Last scheint die

eingeschworene Gruppe auseinanderzubrechen, insbesondere Anführer Avner vollführt einen

Wandel vom gefolgsamen Racheengel zum seelischen Wrack, der selbst in einer seltenen

Liebesnacht mit seiner Frau die schrecklichen Erlebnisse von München nicht ausblenden kann. Im

Schlussbild verabschiedet Spielberg sein Publikum mit einem scheinbar beiläufigen

Kameraschwenk über den Hudson River auf die 1973 fertig gestellten Twin Towers und schlägt so

mühelos eine Brücke in die Gegenwart.

So gut wie der Film audiovisuell auf DVD umgesetzt wurde, so deprimierend gestaltet sich

das extrem magere Bonusmaterial. Gerade mal zwei kurze Features – eine Einleitung des

Regisseurs und ein Beitrag mit Statements der Hauptdarsteller – findet man auf der DVD. In den

USA wurde zwar schon eine Doppel Disc mit deutlich mehr Extras veröffentlicht, aber wann und ob

die Collector’s Edition auch hierzulande erscheinen wird, ist noch nicht bekannt. Für mehr

Hintergrund-Info über die Terror-Anschläge auf München während der Olympiade 1972 empfiehlt

sich Kevin MacDonalds ausgezeichnete Dokumentation Ein Tag im September.

 

Marcs Filmwertung

Spielberg in Topform: Provokativer, hochspannender Polit-Thriller mit aktuellem Bezug.

Marc

Marc

Cineast bis in die Haarspitzen. Anything goes außer Schweiger & Schweighöfer und Bollywood. Regie-Lieblinge: Fincher, Mann, Scorsese, Coppola, Lynch, die Coens, Tarantino, Cameron, De Palma, P.T. & Wes Anderson, Spielberg.
Beste Serie aller Zeiten: The Wire

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Leserwertung

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Cast & Crew

Diese DVD/Blu-ray wurde uns vom Vertrieb Universal Pictures Germany kostenlos zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt. Unsere Bewertung ist davon jedoch nicht beeinflusst und gibt die unabhängige, persönliche Meinung des jeweiligen Rezensenten wieder.
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