Ein Hauch von Amerika

© Edel Motion

Ein Hauch von Amerika

Deutschland 2021

FSK: ab 12 Jahren

Länge: ca. 278 Min.

Vertrieb: Edel Motion

Filmzine-Review vom 06.04.2022

Kaltenstein, eine (fiktive) Kleinstadt in der Pfalz im Jahr 1951: 6 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sind zwischen den amerikanischen Besatzern und der deutschen Zivilbevölkerung längst nicht alle Wunden verheilt. Als auf dem Kartoffelacker der Bauern-Familie Kastner eine Fliegerbombe explodiert, fordert Tochter Marie (Elisa Schlott) vehement eine Ausgleichszahlung und weckt das Interesse des schwarzen GIs George (Reomy D. Mpeho). Marie gibt sich jedoch reserviert, auch weil sie auf ihren Verlobten Siegfried (Jonas Nay) wartet, der sich nach wie vor in russischer Kriegsgefangenschaft befindet. Ihre beste Freundin Erika (Franziska Brandmeier) hat mit dem befreienden „American way of life“ keine Probleme und knüpft Bekanntschaften mit den GIs. Auch ihr Vater, der Bürgermeister (Dietmar Bär) des Kaffs, versteht sich bestens mit den Besatzern, erst recht als der Bau eines US-Militärkrankenhauses in trockenen Tüchern ist…

Angekündigt als großes TV-Event behandelt die ARD-Produktion Ein Hauch von Amerika in sechs Teilen mit dem nicht immer einfachen Zusammenleben zwischen der US-Besatzungsmacht und der heimischen Bevölkerung ein bisher wenig beachtetes Kaptitel deutscher Nachkriegszeit. Im Mittelpunkt – verpackt als Liebesdrama – steht hier der offen zur Schau getragene Rassismus, den es beim Wiederaufbau Deutschlands und angesichts der gesellschaftlich verpönten Beziehungen zwischen schwarzen GIs und deutschen „Fräuleins“ gab. Leider fällt das Ganze allzu gefällig und bieder aus, was sich besonders auch in der jederzeit braven Bildsprache widerspiegelt. Wahrscheinlich wollte man das 20.15-Publikum im Ersten nicht verschrecken. Auch packt das Drehbuch zu viele Nebenschauplätze in die Handlung: Neben dem Rassismus-Schwerpunkt gibt’s eine Gruppenvergewaltigung, einen kurzen Abstecher im Kloster mit gewohnt boshaften Nonnen, ein Besuch bei einer Engelmacherin und weitere Aufreger. Alles ein bisschen viel bei nur 270 Minuten Laufzeit. Der „entnazifizierte“ Bürgermeister hingegen, der fleißig Geschäfte mit den Amis tätigt, wäre wahrscheinlich ein gutes Thema für eine eigene Serie: In der besten Szene wird der von Dietmar Bär verkörperte „Macher“ mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert und dabei von einem als Nazi verkleideten jüdischen Dorfbewohner der Lächerlichkeit preisgegeben.

 

Folgen:

  • 01. Wilkommen in Kaltenstein / 02. Frei Sein / 03. Schulter an Schulter / 04. Vergiss die Amis / 05. Freunde und Feinde / 06. Kein Ort zm Leben

DVD Extras:

    • Interviews mit Cast & Crew (22 min)
    • Rassismus in den 1950ern und heute (4 min)
    • Heimkinohighlights: Trailer zu weiteren Serien

 

Marcs Filmwertung

Nachkriegszeit-Liebesdrama mit Rassismus-Schwerpunkt. Aller Ehren wert und gut gemeint, aber unterm Strich zu brav und bieder.

Marc

Marc

Cineast bis in die Haarspitzen. Anything goes außer Schweiger & Schweighöfer und Bollywood. Regie-Lieblinge: Fincher, Mann, Scorsese, Coppola, Lynch, die Coens, Tarantino, Cameron, De Palma, P.T. & Wes Anderson, Spielberg.
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