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Utoya: 22. Juli

© Universum Film

Utoya: 22. Juli

Norwegen 2018

FSK: ab 12 Jahren

Länge: ca. 96 Min.

Vertrieb: Universum Film

Filmzine-Review vom 03.03.2019

Die 19-jährige Teenagerin Kaja (Andrea Berntzen) verbringt mit ihrer jüngeren Schwester Emilie (Elli Rhiannon Müller Osbourne) ein paar ausgelassene Ferientage in einem Sommercamp auf der norwegischen Insel Utøya. Erste Gerüchte von einem Bombenattentat in Oslo lassen die Stimmung unter den Jugendlichen kippen. Als urplötzlich Schüsse fallen, versteckt sich Kaja im angrenzenden Wald und trifft dort sehr bald auf die ersten Opfer des Anschlags. Trotz größter Angst macht sie sich auf die Suche nach ihrer Schwester…

Am 22. Juli 2011 richtet der Norweger Anders Behring Breivik auf der kleinen Insel Utøya ein Massaker an und versetzt das Land in einen Schockzustand. Der Rechtsextreme kommt als Polizist verkleidet auf die Insel und erschießt 69 Menschen. Kurz zuvor hat er im Regierungsviertel in Oslo eine selbstgebaute Bombe gezündet, die acht Menschen in den Tod riss. Das Trauma, das Norwegen bis heute tief erschüttert, wurde vergangenes Jahr gleich 2-mal filmisch aufgearbeitet: zum einen als faktenbasiertes True Crime-Drama in chronologischer Reihenfolge von Paul Greengrass (zu sehen bei Netflix) und zum anderen deutlich abstrakter in Utøya 22. Juli. Regisseur Erik Poppe filmt den unerträglich grausamen Terror-Anschlag in nur einer durchgängigen Einstellung in Realzeit (72 Minuten) aus der Perspektive eines einzelnen Opfers. Die Handkamera, die der (fiktiven) Hauptdarstellerin nicht von der Pelle rückt, vermittelt dem Zuschauer auf diese Weise eine reale Ahnung der furchtbaren Isolation und Ausweglosigkeit der Situation. Auf den Täter wird bewusst nicht näher eingegangen: Er erscheint kurz unscharf als Schattenmann im Hintergrund und wird auch nicht namentlich erwähnt. Der Grund dafür ist eindeutig: Poppe will mit seinem Film die Sicht der Opfer festhalten und diese in den Mittelpunkt stellen und nicht etwa den medialen Massenmörder Breivik. Ob ein Spielfilm jedoch das ganze Ausmaß eines Terror-Anschlags abbilden kann oder soll, bleibt diskutabel.

 

Blu-ray Extras:

    • Interview mit Hauptarstellerin Andrea Berntzen (7 min)
    • Interview mit Regisseur Erik Poppe (7 min)
    • Making of (22 min)
    • Einführung des Regisseurs (1 min)
    • Trailer zu 10 weiteren Titeln

 

Marcs Filmwertung

Schwer auszuhaltende filmische Aufarbeitung zum Anschlag auf Utøya

Marc

Marc

Cineast bis in die Haarspitzen. Anything goes außer Schweiger & Schweighöfer und Bollywood. Regie-Lieblinge: Fincher, Mann, Scorsese, Coppola, Lynch, die Coens, Tarantino, Cameron, De Palma, P.T. & Wes Anderson, Spielberg.
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Leserwertung

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[Gesamt:5    Durchschnitt: 4.2/5]

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