© Bildmaterial Polyband / Photography ©Huw Cordey/Silverback Films 2018

Ein perfekter Planet

© Polyband

Ein perfekter Planet

A Perfect Planet

GB 2021

FSK: ab 0 Jahren

Länge: ca. 250 Min.

Vertrieb: Polyband

Filmzine-Review vom 11.03.2021

Wer angesichts weiterhin andauernder Reisebeschränkungen derzeit in die Ferne schweifen will, kann dies mit der neuen BBC-Reihe Ein perfekter Planet auf gewohnt hochwertige und lehrreiche Weise tun. Die Heimkinoversion, die auf DVD und Blu-ray erscheint, ist im Vergleich zum TV-Cut sogar ganze 75 Minuten länger. Zentrales Thema des 5-Teilers sind die Naturgewalten der Erde und ihr Einfluss auf verschiedene Lebensräume und Tierarten. Da einem allmählich die Superlative ausgehen, um die Naturdokumentationen zu beschreiben, mit denen uns die BBC regelmäßig beglückt und die Sir David Attenborough im Original auf seine beruhigende Art kommentiert, hier ein inhaltlicher Überblick:

Im Kapitel Vulkane reisen wir zum vulkanischen Natronsee in Tansania. Wenn der Wasserpegel alle paar Jahre tief genug sinkt, brüten auf der Sandbank in der Mitte des giftigsten Sees der Welt Abertausende Zwergflamingos. Der geschlüpfte, aber noch nicht schwimmfähige Nachwuchs muss alsbald die rettende Reise ans Ufer antreten. Dabei gilt es, den bis zu 1,50m großen Marabus zu entkommen, die die Ankuft der Küken bereits gierig erwarten. Auf dem kargen Eiland Wolf, einer der abgelegensten Inseln des Galápagos-Archipels, hat die Evolution die Vampirfinken hervorgebracht, die in Ermangelung anderer Nahrung die dort lebenden Blaufußtölpel anzapfen und ihr Blut trinken.

In der Episode Sonne werden wir dank modernster Kameratechnik Zeuge von den Vorgängen im Inneren einer Feige, während sie heranreift: Damit sie überhaupt reifen kann, muss sie von einer Feigenwespe bestäubt werden, denn Feigen sind nach innen gekehrte Blüten. Beim Hereinkrabbeln durch die enge Öffnung verliert das Weibchen jedoch seine Flügel und verendet nach der Eiablage in der Frucht. Die geschlüpften Wespen finden schließlich ihren Weg ins Freie – et voilà: die Feige ist essreif. Etwas flauschiger geht es am Polarkreis zu, wo sich die Sonne monatelang nicht zeigt: Hier tummeln sich Scharen Hunderter putziger Polarhasen – schneeweiß mit schwarzen Löffelspitzen und schwarzen Augen. Wenn die Polarwölfe kein Glück bei der Hasenjagd haben, wagen sie sich sogar an die stämmigen Moschusochsen heran.

In der Folge Wetter lernen wir Arten kennen, deren Überleben von den zuverlässigen Wetterphänomenen des Planeten abhängt. Wie etwa die knallroten Weihnachtsinsel-Krabben, die ihre Eier nur bei Monsun ablegen, oder die Trampeltiere, von denen nur noch knapp 1000 Exemplare in freier Wildbahn leben. In der extrem trockenen Wüste Gobi finden sie im Winter kein Wasser und sind darauf angewiesen, dass starke Stürme Schnee aus Sibirien herüberwehen.

Die Rubrik Ozeane beschäftigt sich mit den Meeresströmungen, die das Leben in und am Wasser bestimmen. So sorgt der kalte Humboldtstrom für üppiges Algenwachstum vor den Galápagos-Inseln – die Hauptnahrung der Meerechsen, die bis zu eine halbe Stunde auf Tauchgang gehen, um am Meeresboden zu weiden. Danach müssen sie schleunigst wieder an Land, um nicht zu unterkühlen. Das Abschmelzen der Pole führt dazu, dass allein in der Arktis 14.000 Tonnen Süßwasser pro Sekunde ins Meer gelangen, was die Meeresströmungen verlangsamt. Würden sie zum Stillstand kommen, wäre in unseren Weltmeeren kaum noch Leben möglich.

Menschen ist schließlich das Kapitel mit der größten Umweltbotschaft. Die Menschheit produziert 100-mal so viel Kohlendioxid wie alle Vulkane der Erde zusammen und mit jedem Anstieg der globalen Temperaturen um 1°C werden eine Milliarde Menschen ihrer Existenzgrundlage beraubt und zur Migration gezwungen. Die Folge zeigt aber auch Lichtblicke und Menschen, die sich für die Erhaltung unseres perfekten Planeten einsetzen: In Kenia werden verdurstende Elefantenkälber gerettet und aufgepäppelt. Sie leben anschließend in Wildreservaten, in denen die Wasserreserven künstlich aufgefüllt werden, die mittlerweile in der Natur fehlen. Südlich der Sahara wird von Küste zu Küste ein riesiger Baumgürtel gepflanzt, der die Ausdehnung der Wüste eindämmen soll. Erste Erfolge sind bereits erkennbar: Brunnen füllen sich wieder und liefern so Wasser für die Bewässerung von Feldern. In der brasilianischen Stadt Manaus, die den Amazonas allmählich zurückdrängt, retten Tierschützer verirrte Dschungeltiere wie Faultiere, Affen und Jaguare und wildern sie wieder aus.

Die Bildqualität ist herausragend, zumal das ultrahochauflösende Material für die Blu-ray auf 1080p heruntergerechnet wurde. Schärfe und Detailgenauigkeit sind dennoch schlichtweg verblüffend. Man sieht sogar das Blut in den Augenadern des 5 cm kleinen Wüsten-Regenfroschs pulsieren. Wer einen tieferen Einblick in die extrem anstrengende und komplizierte Arbeit der Tierfilmer bekommen möchte, erhält im knapp 50-minüten Making of faszinierende Eindrücke von dem Aufwand, der mit dem Dreh einer solchen Serie verbunden ist.

 

Blu-ray Extras:

    • Making-of (48 min)
    • Trailer zu 4 weiteren Titeln
    • 14-seitiges Booklet

 

Ninas Filmwertung

Bildstarke Dokumentationsreihe in gewohnter BBC-Qualität über den Einfluss der Naturgewalten auf unsere Ökosysteme.

Nina

Nina

Synchronisationsverweigerin. Steht auf Klassiker und hat eine Schwäche für Hitchcock, James Stewart und Cary Grant. Bevorzugt Independent-Kino und visuell aus dem Rahmen fallende Filme à la Tim Burton oder Wes Anderson.

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